Ölberg bald wieder Ausflugslokal

Statt Rotlicht künftig Caféhaus / Investor widerspricht Gerüchten über Motorradfahrer-Treffpunkt

Lübbecke-Nettelstedt. Das ehemalige Gasthaus „Waldfrieden“ in Nettelstedt, im Volksmund auch „Ölberg“ genannt, soll noch in diesem Jahr aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. „Die Zeiten des Rotlichtmilieus sind aber ein für alle Mal vorbei. Wir wollen auf dem Grundstück wieder ein Ausflugsziel für Familien etablieren, wie es schon in den 50er Jahren der Fall war“, sagt der 44-jährige Bauingenieur Wolfgang Honnigfort aus Porta Westfalica. „Es gibt ja eine alte Postkarte aus der Vorkriegszeit. Schon damals war das Gasthaus Waldfrieden ein beliebtes Ausflugslokal. So ungefähr soll es jetzt wieder werden“, erklärt der neue Eigentümer des Grundstücks an der Schnathorster Straße 45, dass auf Nettelstedter Grund an der Grenze zu Schnathorst liegt. Er widerspricht auch Gerüchten, dass demnächst auf dem Gelände ein Treffpunkt für Motorradfahrer entstehen soll. Das einstige Etablissement solle vielmehr ein gastronomisches Kleinod mit Caféhaus-Charakter für Einheimische wie Auswärtige werden. Motorrad-Ausflügler seien natürlich auch gern gesehene Gäste.

Wolfgang Honnigfort hat das rund 14.000 Quadratmeter große Grundstück, zu dem auch Wald- und Wiesenflächen gehören, zusammen mit seinem Partner Tom Jankowski von einer Hausverwaltung aus Hannover erworben.

Die Investoren haben zusammen einen Plan entwickelt, wie sie wieder für ein geselliges Leben in den Mauern des ehemaligen Nachtclubs sorgen wollen. „In diesem Jahr wollen wir zunächst den Pavillon am Parkplatz restaurieren und neu eröffnen. Dort soll dann zum Beispiel auch eine Tasse Kaffee für eine kleine Rast erhältlich sein“, erläutert der Investor. Der Neuaufbau des Gasthauses Waldfrieden folge in den nächsten Jahren.

Einen konkreten Zeitplan gebe es für diesen Projektabschnitt noch nicht. Man stehe mit dem Lübbecker Bauamt in Verbindung und habe von der Stadt einen positiven Vorbescheid erhalten. Der Bauantrag für die Erneuerung und Wiederinbetriebnahme des Pavillons befinde sich in Vorbereitung.

Was die Investoren ärgert, ist ein Problem, dass sich mit der Neueröffnung des Pavillons von selbst auflösen könnte. „Wir sind es Leid, dass das Gelände als illegale Mülldeponie genutzt wird und die Einsamkeit an der Ruine offensichtlich von Bürgern missbraucht wird, ihren Dreck los zu werden“, sagt Honnigfort. Man habe in den letzten Jahren allein 48 alte Kühlschränke und auch jede Menge anderen Unrat entsorgen müssen.

Aus diesem Grund haben die Eigentümer das Gelände zur Gasthaus-Ruine hin auch mit einer Absperrung gesichert. Ferner ist eine Hilfskraft beauftragt, auf dem Gelände für Ordnung zu sorgen. „Ich räume hier auf und achte darauf, dass hier niemand seinen Müll ablädt“, sagte dazu vor Ort Johann Derksen.

Haus mit bewegter Vergangenheit: Johann Derksen hält eine Schaufel und legt damit altes Laub und Schmutz in eine Karre. Er soll als Hilfskraft für Sauberkeit sorgen. Von dem früheren Gasthaus ist nur der Saal noch als Ruine übrig geblieben. Teile des Gebäudes sind bereits eingerüstet.

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Ausflugsziel: Der Pavillon auf dem Gelände am Parkplatz soll noch in diesem Jahr wieder eröffnet werden.

Früher Depping, dann Ölberg

„Früher hieß es, wir gehen zu Depping zum Tanzen“, erinnert sich der Nettelstedter Ortsheimatpfleger Wilhelm Siebeking an Zeiten des Gasthauses „Waldfrieden“ vor dem Zweiten Weltkrieg. Damals sei dort immer an Sonntagen Tanz gewesen. Vor allem die Jugend aus Oberlübbe, Eickhorst, Nettelstedt und Schnathorst traf sich hier. Zu einer Attraktion wurde der an das Gasthaus angebaute Saal, der heute noch als Ruine zu sehen ist. In den 60er Jahren wurde der „Waldfrieden“ als Nachtlokal genutzt. „In der Zeit ist dann der Begriff Ölberg entstanden. Den gab es vorher noch nicht“, weiß Wilhelm Siebeking. Anfang dieses Jahrzehnts wurde das Nachtlokal geschlossen. Spekulationen über eine Wiedereröffnung als Nachtclub oder Bordell wurden mit einem Schlag hinfällig, als das Gebäude im Mai 2004 in Flammen aufging und das frühere Gasthaus in eine Ruine verwandelte. Die genaue Brandursache konnte bis heute nicht ermittelt werden.

Text und Fotos: Hans-Günther Meyer

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Veröffentlicht am 27. Februar 2007 | Abgelegt unter Allgemein |