Wirbelwind auf Hünenbrink

“Kleine Hexe” feiert Premiere


Lübbecke-Nettelstedt.
Die “Kleine Hexe” verzauberte böse Förster, schießwütige Schützenbrüder und mutwillig zerstörte Schneemänner, doch vor allem verzauberte sie ihr Publikum. 500 Besucher sahen Pfingstsonntag die mehr als gelungene Premiere des Kinderbuchklassikers von Otfried Preußler auf der Freilichtbühne Nettelstedt. Wie ein roter Wirbelwind jagt die kleine Hexe, gespielt von Maren Kracht, mit ihrem sprechenden Raben Abraxas (Florian Kracht) über die Bühne und begeistert mit ihrem freundlichen Wesen und ihrer temperamentvollen Art Groß und Klein. Um trotz ihres so jungen Alters von “erst” 127 Jahren endlich zur Walpurgisnacht mit den großen Hexen um den Blocksberg tanzen zu dürfen, hilft sie den Schwachen und Armen, wie sie nur kann.

Hilfsbereitschaft und die Möglichkeiten, Böses durch das Gute zu besiegen, sind die dominierenden Themen des Kinderbuchs von Otfried Preußler. Die kleine Hexe hilft einem Blumenmädchen und dem Maroniverkäufer, der im tiefen Winter friert und sich immer wieder die Hände verbrennt. Sie steht einer Schneemänner-Familie bei, zaubert den Holzweibern Äste vor die Füße und rettet dem Ochsen Korbinian, der geschlachtet werden soll, das Leben.

Ihre helfende Zauberkunst löst bei den alten Hexen Zorn aus. Denn Hexenzauber, so will es deren Gesetz, darf nur Böses bewirken. Die ärgste Feindin der kleinen Hexe ist die böse Muhme Rumpumpel (Melanie Fründ). Mit ihrer Blitz- und Donnerkamera fotografiert sie alle Zauberaktionen der kleinen Hexe, um sie als Beleg dem Hexenrat vorzulegen. Dennoch wird die kleine Hexe nicht müde, gegen das Hexengesetz zu verstoßen.

Schnell hatten sich vor allem die jüngsten Zuschauer auf den Publikumsrängen mit der kleinen Hexe solidarisiert, machten Stimmung gegen Rumpumpel und ihre böse Hexenschar, lauschten gebannt den geheimnisvollen Zaubersprüchen. Und wie es sich für ein Familienstück gehört, triumphiert am Ende das Gute.

Das Publikum feierte mit und belohnte die tolle Leistung auf der Bühne mit anhaltendem, begeistertem Applaus. Bestes Zeichen dafür, dass es Regisseur Hinnerk Walbohm wieder verstanden hatte, das Publikum in das Spiel einzubeziehen.

Nicht nur die brillierenden Darsteller und die tollen Bühneneffekte, sondern auch liebevoll gestaltete Kostüme, lustige Dialoge, spannende Zaubersprüche und witzige Einlagen sorgten für ein unvergessliches Erlebnis auf dem Hünenbrink. Es lässt sich nur erahnen, wie viel Arbeit, Fantasie und Engagement hinter einem solchen Theaterstück stecken. Und vor allem, wie viele Menschen auch im Hintergrund dafür wirken, dass die “Kleine Hexe” bis Anfang September jeden Sonntag ab 16 Uhr mit über die Freilichtbühne fegt.


Roter und schwarzer Feger: Die kleine Hexe (Maren Kracht) und ihr sprechender Rabe Abraxas (Florian Kracht) sausen über die Freilichtbühne.


Mann aus Schnee: Ein Zauber hat den weißen Gesellen zum Leben erweckt. Er schlägt die frechen Kinder mit dem Besen in die Flucht.


Wer zuletzt lacht: Noch freuen sich die drei bösen Hexen. Am Schluss triumphiert das Gute, die kleine Hexe fliegt alleine um den Blocksberg. “Rumpumpel” (Melanie Fründ, Mitte) muss sich geschlagen geben.

Text und Fotos: Patrick Menzel

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 29. Mai 2007 | Abgelegt unter Freilichtbühne |