Weniger Verkehr auf der B 65

Straßenverkehrszählung vor zwei Jahren erbringt überraschende Ergebnisse

Lübbecke. Die Klagen klingen sind seit Jahren unverändert. Immer mehr Fahrzeuge, immer mehr Belastungen, immer mehr Lärm auf und an der Bundesstraße 65 durch Lübbecke. Doch nun kommt eine Verkehrszählung des Landesbetriebes Straßenbau zu neuen Ergebnissen. Zu überraschend anderen Befunden. Denn nach Erhebungen aus dem Jahr 2005 (es ist die derzeit aktuellste amtliche Zahlensammlung) ist der Verkehr auf der B 65-Strecke durch Lübbecke seit 2000 deutlich zurückgegangen. Insgesamt vier Zählstellen waren im Sommer 2005 auf der Mindener bzw. Bohlenstraße und eine Zählstelle auf der B 239 eingerichtet worden. Und an vier dieser insgesamt fünf Messpunkte wurden weniger Pkw, Lkw, Motorräder und Busse registriert als im Vergleichszeitraum ein Jahrfünft vorher.

Die größte Abweichung gab es in Nettelstedt. Zählstelle war dort die Einmündung der Oberlübber Straße (K 17) auf die B 65. Vor sieben Jahren wurden dort genau täglich durchschnittlich 8.181 Fahrzeuge gezählt. Fünf Jahre danach waren es “nur” noch 4.822. Das entspricht einem Minus von fast 70 Prozent.

Auch an anderer Stelle erbrachte die Zählung Unerwartetes. Gemessen wurde nämlich auch an der Einmündung der Alsweder Straße (K 87) auf die Bohlenstraße und auf der B 65 “westlich der B 239″. In beiden Fällen lag die Zahl der registrierten Fahrzeuge mit durchschnittlich täglich 10.470 bzw. 12.301 um fast 17 bzw. 18,3 Prozent unter den Werten der Zählung von 2000. Nur an einer Stelle, nämlich an der B 65-Zählstelle “östlich der B 239″, wurden bei der Messung 2005 mehr Fahrzeuge registriert als fünf Jahre zuvor – 14.451 statt 12.480.

Nur eine Zählstelle gab es an der B 239 und zwar südlich der B 65. Hier wurden ebenfalls (minus 5,3 Prozent) weniger Fahrzeuge ermittelt als im Jahr 2000.

Im Rathaus lösen diese Daten Zweifel und Irritationen aus: “Das ist nicht nachvollziehbar”. Auch der Landesbetrieb Straßenbau habe die deutlichen Abweichungen der 2005-er Zahlen von den Werten der vorhergehenden Messung nicht erklären können (oder wollen).

In der Sitzung des Rates vergangene Woche mochte nur einer die Auswertung der Zählung kommentieren – Ratsherr Heinrich Stenau. Warum, so fragte der Grüne, werden nur Zahlen geglaubt, die höher sind als 2000, und warum werden Abweichungen nach unten sofort angezweifelt ?

Begonnen hatte die bundesweite Verkehrszählung Ende Mai 2005. In Nordrhein-Westfalen waren an rund 9.000 Standorten – darunter 1.801 Stellen an rund 5.000 Kilometern Bundesstraßen – bis Ende September Hunderte Helfer mit Block und Bleistift auf Klappstühlen postiert. An bestimmten Tagen und Stunden – verkehrsstarken wie – schwachen Zeiten ebenso wie an Wochenenden, normalen Werktagen, so genannten Ferienwerktagen und zu bestimmten Uhrzeiten – wurden sechs verschiedene Fahrzeugarten (Busse, drei Lkw-Klassen, Motorräder und Pkw) erfasst. Damit die Zählergebnisse nicht durch besondere regionale Ereignisse (etwa Feste) verfälscht werden, standen 62 Zähltermine zwischen dem 31. Mai und dem 30. September zur Wahl.

Die ermittelten Zahlen sollen als Grundlage dienen für verkehrspolitische Planungen und Entscheidungen.


Gezählt und gestaunt: An der Einmündung der Oberlübbe Straße auf die B 65 am östlichen Ortseingang von Nettelstedt (Foto) wurde 2005 ebenfalls das Fahrzeugaufkommen registriert. Es war zur allgemeinen Überraschung deutlich geringer als fünf Jahre vorher.

Text: Reinhard Günnewig

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 18. September 2007 | Abgelegt unter Allgemein |