Vor Konkurrenz aus Fernost kapituliert

213 Four Tec-Mitarbeiter erhielten Donnerstag die Kündigung / Unternehmen wird liquidiert

Rahden. Laufende Aufträge werden noch sauber abgewickelt, Ende Mai dann die Produktion eingestellt. Und dann wird das Unternehmen liquidiert: 213 Arbeitnehmer von Four Tec erhielten am vergangenen Donnerstag die Kündigung. Gestern wurde die Belegschaft von der Geschäftsführung in einer Betriebsversammlung über die Gründe informiert. Guido Drees, einer der vier Geschäftsführer, erläuterte gestern Nachmittag im Gespräch mit der NW , warum dieser drastische Schritt notwendig geworden sei: “Es ist nicht mehr möglich, im internationalen Wettbewerb bestehen zu können.” Ausschlag gebend sei die Konkurrenz in Asien, vor allen Dingen in China gewesen. “Im letzten Jahr”, so Drees, “hat sich der Markt massiv geändert.”

Schnelle Lieferzeiten und hervorragende Qualität seien bisher Vorteile gewesen, mit denen FourTec punkten konnte. Doch angesichts der billige(re)n Konkurrenten in Asien sei der Kostendruck zuletzt enorm gewesen.

“Der Markt hat sich massiv geändert”

Und diese Kostenstruktur sei letztlich entscheidend gewesen für den Entschluss, die Firma zu liquidieren, bevor das Unternehmen ernsthaft gefährdet werde. “Jetzt können wir FourTec noch sauber herunter fahren”, so Drees. Dennoch sei der Beschluss der fünf Gesellschafter, zu denen auch die Firma Nokia gehört, “ein Schlag für uns alle gewesen.”

Die Firma Four Tec entwickelte laut eigenen Angaben die modernste Werkzeugproduktion Europas. Seit 2004 fertigt das Unternehmen im früheren “Windhorst-Center” in Rahden auf einer 4.000 Quadratmeter großen Produktionsfläche innovative Spritzguss-Werkzeuge. Diese werden benötigt, um Kunststoffteile in großen Stückzahlen zu produzieren. Der Telekommunikationsbereich gehört hier zu den Kunden, aber auch verschiedene Hersteller von elektrischen und elektronischen Werkzeugen.

“Überall, wo es auf Geschwindigkeit ankommt, sind unsere Produkte gefragt”, hatte Personalleiterin Gisela Runow im April 2005 gegenüber der NW erklärt. Zu diesemZeitpunkt war ihren Angaben zufolge auf Grund langfristiger Partnerschaften die Auftragslage sehr gut. Vor zwei Jahren war es das Ziel von Four Tec, den Firmenumsatz in den folgenden drei Jahren zu verdoppeln. Seit dem Umzug nach Rahden hat das Unternehmen etwa 20 Millionen Euro investiert, um das Ziel zu erreichen, führendes Unternehmen im Bereich Werkzeugbau für hochvolumige Systemlösungen zu werden.

Entstanden ist Four Tec aus der 1996 gegründeten BG Formenbau GbR in Nettelstedt (Geschäftsführer Ralf Gerling) und der 1990 gegründeten MD-Formtechnik aus Unterlübbe (Geschäftsführer Heinrich Meinert und Ralf Drees). Seit der Fusion im Januar 2004 trägt das Unternehmen den Titel Four Tec, hergeleitet aus dem Begriff Technik und dem Viererteam an Geschäftsführern, das damals durch Guido Drees komplettiert wurde. Damals wurden 40 Mitarbeiter beschäftigt, zwei Jahre später waren es schon 200, zuletzt waren es mehr als 230. Ein Großteil von ihnen sind Fachkräfte.


Die Tage sind gezählt: Auch der Fernverkehr wird künftig am markanten Firmengebäude von Four Tec vorbeifahren, denn das Unternehmen schließt mit Ablauf des Monats Mai seine Pforten.

Foto: Joern Spreen-Ledebur

Text: Manfred Lampe und Hans Kracht

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 31. März 2007 | Abgelegt unter Gewerbe |