Swingende Glückwünsche

Musik-Legende Paul Kuhn gibt begeisterndes Konzert zum JazzClub-Jubiläum

Lübbecke. Da kommt er. Langsamen Schritts. Etwas unsicher die Stufen zur Bühne hin auf. Platz genommen auf dem Hocker am Flügel. Und los geht’s. “One, two – one two, three…” Sofort ist fast nichts mehr zu spüren von seinen fast 80 Jahren. Paul Kuhn ist in seinem Element. Launig-verschmitzt begrüßt er das Publikum (“Ich freue mich wieder hier zu sein – zum ersten Mal”), greift in die Tasten und mit “London by night” beginnt klassisch-gekonnt eine zweistündige Reise in die Welt von Duke Ellington, Charly Parker und Cole Porter.

Der Lübbecker JazzClub feiert. Und hat zu seinem 50-Jährigen einen der ganz Großen, eine wirkliche Musik-Legende eingeladen. Dazu einen wunderbaren Entertainer. Nichts fehlt für einen im besten Sinne unterhaltsamen Abend in der Stadthalle.

Kuhn und Co. kredenzen dem Publikum mehr als ein reines Swingkonzert. Da gibt es die angenehm-zeitlosen Standards und Evergreens der Jazz-Geschichte aus den 30-ern, 40-ern und 50-ern (Kuhn: “Was in der heutigen Zeit kommt, ist alles sehr wenig”), eigene Arrangements wie bei “How Deep is the Ocean”, dann Filmmelodien, furiose Schlagzeug-Soli von Willy Ketzer und ein Samba-Medley, weil doch “die Brasilianer so schöne Sachen machen” (Kuhn).

Unprätentiös, liebevoll und mit bewundernswerter Leichtigkeit und kultiviertem Anschlag spielt der begnadete “kleine Mann am Klavier” das Repertoire. Mal als Ein-Mann-Show, mal im Trio. Nach jedem Titel ein Blick auf den Programmzettel, ein paar nette Worte und dann mit gleichem Schwung weiter. Das Publikum applaudiert. Doch das genügt dem erfolgsverwöhnten Meister noch nicht so ganz. “Was ist in Ostwestfalen los?” fragt der Bandleader in der Pause. Am Freitag ein “Super-Abend” in Bielefeld. Und nun? “Wir müssen mehr Leben in die Bude bringen”, muntert Kuhn sich und seine Mitspieler auf.

Es klappt. Die Stimmung steigt weiter. Der Beifall dauert länger und wird donnernder. “Ah, die Ostwestfalen sind gar nicht so stur. Wir haben nur die falschen Sachen gespielt”, ruft der Chef augenzwinkernd dem Publikum und seinen Partnern zu. Der Wink kommt an. Mit “You must remember, this kiss ist still a kiss”, bekannt geworden durch “Casablanca” – Kuhn: “Es gibt Frauen, die komponieren und ich habe nichts dagegen” – lassen sich die 350 Gäste in der Stadthalle weiter mitreißen. Als die letzten Töne verklungen sind, erheben sie sich zu Ovationen von den Plätzen, erklatschen sich zwei Zugaben.

Dann nehmen Pianist, Schlagzeuger und Martin Gjakonowksi (Kontrabass) versöhnlich Abschied von Lübbecke. “Ich wünsche ihnen noch einen schönen Sommer”, ruft Kuhn seinen Fans zu, bleibt noch eine Nacht am Wiehen und jettet dann ab Düsseldorf zurück in seine schweizerische Wahlheimat. Er hat sich schon in der Pause gefreut: “Ab morgen habe ich ein paar freie Tage”.


Großer Musikabend: Das Paul Kuhn Trio mit Paul Kuhn, Martin Gjakonowski (Kontrabass) und Willy Ketzer (Schlagzeug, v.l.) war das Top-Ereignis im Jubiläumsjahr des Lübbecker JazzClubs.


Wiedersehen: Paul Kuhn und die Lübbeckerin Erika Hucke waren viele Jahre Hausnachbarn an der spanischen Ostküste.


“Der Mann am Klavier”: Paul Kuhn am Stadthallen-Flügel.

Text und Fotos: Reinhard Günnewig

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 20. August 2007 | Abgelegt unter Allgemein |