ZOB, Blase-Kreuzung, Post-Gelände: Wo und wie soll ein Geschäftszentrum entstehen?

Lübbecke. Fast ein Jahrzehnt ist die grasüberwucherte Ödnis an der Straßenkreuzung ein städtebauliches Ärgernis und ein Dauerthema der Kommunalpolitik. Als vor wenigen Wochen ein neuer Investor seine Pläne für das Areal an der Blase-Kreuzung vorstellte und schnellen Baubeginn in Aussicht stellte, schien endlich eine bessere Zukunft in Sicht. Doch nun gibt’s neue Probleme.Sicher scheint: Der ursprüngliche Zeitplan mit der für Mitte 2009 geplanten Eröffnung eines Fachmarktzentrums ist nicht mehr zu halten. Und nicht gänzlich ausgeschlossen ist gar, dass Lagerhallen statt Geschäften und Schnellimbiss die Zukunft des exponierten Grundstücks darstellen.
Die Invesgo GmbH Co. KG will auf dem Eckgrundstück ein paar Geschäfte ansiedeln (Lebensmitteldiscounter, Tierartikel- und Getränkemarkt, HiFi-Anbieter) und unmittelbar im Winkel B 239/Gehlenbecker Straße eine Burger King-Filiale. Für dieses Fachmarktzentrum sollen vorhandene Gebäude umgebaut, neue errichtet werden. Schon Mitte 2009 war die Fertigstellung vorgesehen.
Nötig für das Projekt ist freilich eine Änderung des aktuellen Bebauungsplanes, da die Baukörper auf dem Grundstück anders als vorgesehen angeordnet werden sollen. Doch eine für Mitte September vorgesehene Beratung im zuständigen Fachausschuss wurde vertagt.
Denn inzwischen hatte auch der Eigentümer der benachbarten Immobilie Ecke B 239/Hardenbergstraße, der Alsweder Architekt Werner Fortriede, seine Vorstellungen vorgetragen. Danach sollen die Reste des Mitte Mai abgebrannten ehemaligen Chinarestaurants beseitigt und das Areal mit Tankstelle und ebenfalls einem Burger King-Schnellrestaurant bebaut werden. Zusammen mit dem Projekt auf der ehemaligen Hucke-Fläche sei so eine städtebauliche Gesamtlösung möglich. Nur, so Fortriede, seien dafür die alten Hucke-Gebäude (“ein Riegel”) nicht zu gebrauchen. Andernfalls gebe es “keine gute Lösung”.
Gerlicher (“Ich wünsche Fortriede alles Gute”) wiederum sieht die Rentabilität seines Vorhabens nur gegeben, wenn die Hallen umgebaut und dann weiter genutzt werden können. Werde der Bebauungsplan nicht geändert, könne er auch die Gebäude als Lagerhallen nutzen. Gespräche zwischen beiden verliefen ergebnislos. “Die sind wie Hund und Katze”, beschreibt ein Ratsmitglied das Verhältnis.
Fortriede fordert ein Richtungsentscheidung der Politik. “Die muss sich klar äußern.” Erteile der Rat Gerlichers Vorhaben die planungsrechtliche Genehmigung (“eine Lex Gerlicher”) sei eine Chance vertan.
Und seine Perspektive geht noch weiter. Im Oktober verhandelt der Alsweder mit der Post über einen Kauf des Gebäudes am Niederwall, das der Dienstleister bis spätestens 2011 aufgeben will. Dort und auf der angrenzenden Freifläche, die in städtischen Besitz ist, möchte nach seinen Angaben eine Investorengruppe aktiv werden und einen Vollsortimenter eröffnen. Hucke-Fläche (Gerlicher), Brandruine-Areal (Fortriede), Postgebäude und angrenzendes Grundstück könnten so zu einer “Arrondierung führen, wie sie besser nicht sein kann”, ist Fortriede überzeugt.

Relikt mit “Riegelwirkung”: Das alte Hucke-Lagergebäude verhindert für Architekt Fortriede eine städtebauliche Gesamtlösung.

Blase-Kreuzung: Auf dem früheren Hucke-Gelände (oben Mitte) soll das Fachmarktzentrum entstehen. Links die Rasenfläche neben dem Postgebäude, für sich die ebenfalls Investoren interessieren.
Fotos: Tyler Larkin
Text: Reinhard Günnewig
Viele Pläne, viele Pleiten
Seit Ende der 90-er Jahre wird für die Hucke-Brache an der Blase-Kreuzung eine Verwendung gesucht. Erster Interessent war die Edeka Minden-Hannover, die dort einen großen Lebensmittelmarkt ansiedeln wollte. Später war kam ein Fachmarktzentrum ins Gespräch. Auch dieses Vorhaben kam, mit wechselnden Investoren, über Absichtserklärungen nicht hinaus. Das Grundstück ging wieder an Hucke zurück.
Mitte dieses Jahres erwarb dann – ohne Rückgaberecht – die Lübbecker Invesgo GmbH Co. KG die insgesamt rund 10.000 Quadratmeter für 1,8 Millionen Euro, angeblich 300.000 Euro mehr als der ebenfalls interessierte Lübbecker Architekt Werner Fortriede. (gü)
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke