Offener Ganztag in Nettelstedt und Gehlenbeck ab August / Vielfältige Angebote für die Kinder

Lübbecke-Gehlenbeck /-Nettelstedt. Morgens Schule für alle, nachmittags Betreuung bis 16 Uhr für einen Teil der Kinder: So soll der offene Ganztag an den beiden Grundschulen in Nettelstedt und Gehlenbeck funktionieren. Und damit bieten dann alle sechs Grundschulen in Lübbecke den offenen Ganztag an. “Die jetzigen Betreuungsgruppen bis 13 Uhr sind ein Auslaufmodell”, berichtet Ursula Ulrich, Leiterin der Grundschule Nettelstedt. Das Land NRW setze auf den offenen Ganztag und fördere andere Betreuungsprogramme nicht mehr. In Nettelstedt bleibe die alte Betreuungsgruppe für bereits angemeldete Kinder bestehen, Neuanmeldungen seien jedoch nicht möglich. Spätestens im Schuljahr 2009/2010 werde der letzte Jahrgang betreut. In Gehlenbeck läuft die alte Betreuungsgruppe im kommenden Schuljahr ein letztes Mal. Jeweils 25 Kinder können ab August die neue Betreuungsform des offenen Ganztags an beiden Grundschulen nutzen. Zum Programm gehören ein gemeinsames Mittagessen, Hausaufgabenbetreuung und die Freizeitgestaltung. “Nach Unterrichtsende bringen die Kinder ihre Sachen in den Gruppenraum und können erstmal spielen und sich vom Schultag erholen”, erklärt die Leiterin der Grundschule Gehlenbeck, Silke Gillar. Dazwischen bleibe Zeit für Hausaufgaben. Nachmittags organisieren örtliche Vereine und Privatpersonen langfristige Angebote und kurze Projekte: Die Sportvereine werden Kurse anbieten, die Heimatvereine bringen den Kindern Natur und Handwerk näher, die Kirche möchte sich ebenfalls einbringen und auch künstlerische Projekte mit Musik, Tanz und Theater sind geplant.
“Vom Beginn des offenen Ganztags im August bis zu den Herbstferien sollen sich die Kinder aber erstmal besser kennen lernen und mit dem zeitlichen Ablauf der Betreuung vertraut machen” sagt Gillar. Daher werde in einem Projekt der neue Gruppenraum gestaltet.
Der zeitliche Ablauf der Betreuung wird in Gehlenbeck und Nettelstedt übereinstimmen. Die Stadt und der Kirchenkreis arbeiten bei der Planung und Umsetzung mit den Grundschulen zusammen. Der Träger des offenen Ganztags beider Schulen ist der Kirchenkreis.
“Wir möchten eine Gemeinschaft mit den Kindern gestalten, in der sie sich wohl fühlen”, sagt Edith Meier-Heßlau, Fachberaterin für Tageseinrichtungen des Kirchenkreises. “In der Schule lernen die Kinder rechnen, lesen und schreiben. Im offenen Ganztag bieten wir ihnen die Gelegenheit, das Verhalten in Alltagssituationen zu erlernen.” Toleranz solle vermittelt werden, ebenso Zuverlässigkeit und soziales Miteinander. Außerdem sollen die Kinder nach dem anstrengenden Tag in der Schule Gelegenheit bekommen, sich auszuruhen oder zu toben.
Zwei Fachkräfte werden in beiden Einrichtungen die Kinder betreuen. “Jeweils ein junger Mensch, der ein Freiwilliges Soziales Jahr leistet, wird sie dabei unterstützen”, sagt Ulrich.
Finanziert wird der offene Ganztag teils durch Zuschüsse des Landes NRW, teils aus Elternbeiträgen. Monatlich zahlen die Eltern für ein Kind 75 Euro, für Geschwister weitere 40 Euro.
Zusätzlich kostet das Mittagessen pro Monat zwischen 45 und 55 Euro. Der genaue Preis steht nicht fest, weil noch nicht beschlossen ist, welcher Anbieter das Essen liefern wird. In den ersten Wochen werden mehrere Anbieter das Mittagessen bringen, die Kinder dürfen nach dem Probeessen abstimmen.
Bevor jedoch im August das Betreuungsprogramm beginnen kann, muss an beiden Schulen noch einiges getan werden.

Die Schule ist bereit: Schulleiterin Ursula Ulrich vor dem Gebäude für den offenen Ganztag in Nettelstedt. Die Baulücke zwischen Alt- und Neubau wird bis November geschlossen.

Ziehen am selben Strang: Schulleiterin Silke Gillar (2. v. l.), Jörg Bartel (Stadt Lübbecke, 3. v. l.) und Edith Meier-Heßlau (Kirchenkreis, 3. v. r.) sowie Ursula Albrecht-Koch, Ute Kämper, Willi Kirchhoff, Rolf Röthemeier und Achim Klute (v. l.) organisieren Projekte für Kinder.
KOMMENTAR
Schule und Freizeit unter einem Dach
Fast wie zuhause
Das Land NRW fördert zunehmend den offenen Ganztag an Grundschulen. Doch welche Vorteile birgt diese Betreuungsform? Warum das Kind länger zur Schule schicken? Auf jeden Fall kommt der offene Ganztag berufstätigen Eltern entgegen. Sie brauchen sich nicht um Omas oder Ersatzmütter zu bemühen, die ihr Kind von der Schule abholen, während Mama und Papa Geld verdienen. Nutzen die Kinder die Betreuung, läuft im Grunde alles wie in einer Großfamilie zuhause: Es gibt Mittagessen, die Hausaufgaben werden betreut und es bleibt Zeit zum Spielen. Und das alles in Gemeinschaft mit anderen Kindern. Etwas Besonderes wird der Nachmittag durch die vielfältigen Angebote aus den Bereichen Sport, Kultur und Kreativität. Die Kinder probieren Projekte aus, lernen Freizeitbeschäftigungen kennen und finden vielleicht ein Hobby, das sie weiter verfolgen möchten. Eine tolle Gelegenheit, um über den Tellerrand zu blicken. Und die Eltern können in Ruhe arbeiten.
Text und Fotos: Bianca Krumme
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke