Lehrer mit literarischer Ader

Am 5. September vor hundert Jahren wurde der Nettelstedter Heimatdichter Martin Simon geboren

Lübbecke. Der Name Martin Simon ist vielen Lübbeckern noch ein Begriff. Am Samstag, 5. September, wäre der Nettelstedter Heimatdichter 100 Jahre alt geworden. Christel Droste aus dem Lübbecker Stadtarchiv hat in einem Artikel Interessantes zur Person des Heimatdichters sowie zum Geschehen im Geburtsjahr Simons zusammengetragen.Das Jahr 1909 verlief für die Lübbecker in verhältnismäßig ruhigen Bahnen. Der Bau des heutigen Mittellandkanals war in der Planung. Er versprach hunderten Arbeitern auf Jahre hinaus Lohn und Brot. Wie üblich priesen die Lübbecker Geschäfte F. W. Meyer, M. Löwenstein und G. Thiel die ausgezeichnete Qualität ihrer Modewaren über die Zeitung an, während man sich in der Fabrik Meyrahn mit Lederprodukten versorgen konnte.

Bei E. Gerlach wurden den Kunden edle Cakes und Waffelmischungen angeboten und bei R. Hunke erwarb man Markenporzellan. Am 27. Januar 1909 luden die Kriegervereine im Lübbecker Land dazu ein, den 50. Geburtstag von Kaiser Wilhelm II. feierlich zu begehen. In Lübbecke fand in den Abendstunden ein pompöser Festumzug mit Zapfenstreich statt. Die Mitglieder des Kriegervereins, des Musikcorps und der Schülerchor exerzierten im Schein bengalischer Feuer.

Am 5. September 1909, vor nunmehr 100 Jahren, erblickte der spätere Nettelstedter Heimatdichter Martin Simon in Wuppertal-Barmen das Licht der Welt. Nach Studentenjahren in Köln und Berlin besuchte Simon die Pädagogische Akademie in Dortmund, wo er sich als Volksschullehrer ausbilden ließ. Zu diesem Zeitpunkt hatte er bereits seine spätere Frau, Emmy Köppe, kennengelernt.

Nettelstedt und besonders auch der Freilichtbühne war Simon schon seit 1931 verbunden, als er ein Praktikum im dortigen Kinderheim absolvierte. Mehrere Jahre lang verhinderte jedoch die NSDAP, dass er als Lehrer tätig sein durfte, da er der nationalsozialistischen Ideologie lange Jahre kritisch gegenüberstand. So arbeitete er zunächst als frei schaffender Schriftsteller in Nettelstedt und engagierte sich bei den Aufführungen der Freilichtbühne, für die er später auch eigene Stücke schrieb. Zu diesen gehört neben dem Stück „Die Westfälinger“ und dem „Wehrwolf“ nach Hermann Löns auch der plattdeutsche Schwank „Dei däadschotene Haohn“, in dem er die Eigenheiten einiger seiner Nettelstedter Mitbürger humorvoll in Szene setzt. Auch in zahlreichen Erzählungen, Gedichten, Balladen und Anekdoten leuchtet seine Verbundenheit zu Nettelstedt.

Auch nach seiner Anstellung als Volksschullehrer erfreute er sich in Nettelstedt großer Beliebtheit. Hatte Simon sich zunächst der NS-Propaganda widersetzt, wurden zahlreiche seiner Werke spätestens seit 1938 zu Propagandazwecken benutzt.

Auch seine innere Einstellung wandelte sich. Als Kriegsfreiwilliger wurde er 1940 eingezogen. In seinen Briefen und Publikationen spiegeln sich die Liebe zu seiner Familie, die Sehnsucht nach Frieden und der Wunsch auf Rückkehr nach Nettelstedt wider. In den Schützengräben des Zweiten Weltkrieges erlebt er selbst das Grauen des Krieges. Fern der Heimat setzt ihm das Heimweh zu. S ein Denken und Dichten kreisen um die Frage, warum der Krieg mit all seiner Gewalt das Leben unzähliger Menschen zerstört.

1942 verbringt er noch einmal ein paar Tage bei seiner Frau Emmy und den gemeinsamen Töchtern Gisela und Bernhild in Nettelstedt. Die Geburt seiner dritten Tochter, Margret, erlebt er nicht mehr. Martin Simon kommt am 31. August 1942 bei Kämpfen in Rschew an der Wolga ums Leben.

Sein literarischer Nachlass wird in der Landesbibliothek Detmold gesichert. Auch im Stadtarchiv Lübbecke können zahlreiche seiner Werke eingesehen werden. Seine Witwe, die selbst Jahrzehnte lang als engagierte Lehrerin in Gehlenbeck und Nettelstedt tätig war, starb 2008. Sie wurde auf dem Friedhof in Nettelstedt beigesetzt.

Historische Aufnahme: Der Einschulungsjahrgang 1933 an der Grundschule Nettelstedt mit Lehrer Martin Simon.

Foto: Stadtarchiv Lübbecke

Test: Christel Droste

Verse über die Liebe

Du hast meinem Herzen ein Ahnen geschenkt

der Liebe, die nie an sich selber mehr denkt.

Nun klopft es, nun lauscht es und ist wie ein Kind,

vom schütteren Glanz seines Innersten blind.

Was soll ich ihm tun? Es gibt keine Ruh,

mag nichts von mir wissen, sagt immer nur: Du!

Ein Gedicht aus: Martin Simon, Erzählungen, Anekdoten, Balladen, Gedichte. (1979)

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 4. September 2009 | Abgelegt unter Schule |