Sechs machen gemeinsam Schule für Lübbecke

KURZ GEFRAGT: Warum schließen sich die Grundschulen zu einem Netzwerk zusammen?

Lübbecke (kor). Die vier Lübbecker Grundschulen Blasheim, Astrid-Lindgren, Im Kleinen Feld und Regenbogen sowie der Grundschulverbund Gehlenbeck-Nettelstedt wollen schulübergreifend kooperieren. Unter dem Motto „Wir machen Schule“. Sie schließen sich am 1. Februar offiziell zu einem Netzwerk zusammen. NW-Redakteurin Kerstin Kornfeld sprach mit Arndt Geist, dem Sprecher der Lübbecker Grundschulen und Schulleiter Im Kleinen Feld.

Politisch gewollt ist, dass Grundschulen konkurrieren. Seit der Öffnung der Schulgrenzen liegen sie im Wettbewerb um Schüler und Lehrer. Wollen Sie ein Zeichen gegen den Trend setzen?

ARNDT GEIST: Als Netzwerk setzen wir uns für alle Lübbecker Grundschüler ein. Wir wollen keine Schülerbewegungen von einer zur anderen Schule initiieren. Dagegen setzen wir uns zur Wehr. Aber es gibt kaum Wechselbewegungen innerhalb Lübbeckes. Als ländlicher Raum haben wir keine Brennpunkt-Schulen vor Ort. Da sehe ich auch in Zukunft keine Gefahr.

Eltern können seit Auflösung der Schulbezirke wählen, auf welche Schule sie ihr Kind schicken wollen. Nutzen sie die Chance nicht?

GEIST: Die Eltern schauen heute schon genauer hin, wo sie ihr Kind anmelden. Sie fragen nach unseren Schulprogrammen, kommen zum Tag der offenen Tür, informieren sich. Deshalb ist es wichtig, dass auch in einem Netzwerk jede Schule ihr eigenes Profil behält. Wenn eine Grundschule zwei sehr große erste Klassen hat und mit ein oder zwei Anmeldungen zusätzlich drei kleine Klassen bilden könnte, sprechen wir Schulleiter untereinander und vor allem mit den Eltern über einen möglichen Wechsel. Dann kommt der Impuls von uns.

Wie ist die Idee zum Netzwerk der Grundschulen entstanden?

GEIST: Das ist eine langfristige Entwicklung und das Ergebnis langjähriger Kooperation. Seit 1998 treffen wir Schulleiter uns regelmäßig zum Gedankenaustausch, es gab gemeinsame Fortbildungstage der Kollegien. In den letzten Jahren wurde die Zusammenarbeit immer intensiver. 2003 haben wir als eine gemeinsame Aktion aller Schulen eine Projektwoche zum Thema „Lesen“ durchgeführt. Eine weitere ist zum Thema „Verkehrssicherheit“ im Juni geplant.

Was kann ein Verbund besser als eine einzelne Grundschule?

GEIST: Die vorhandenen Ressourcen besser nutzen und Ideen teilen. Unsere Aufgaben sind nicht weniger geworden. Wenn eine Schule ein gutes Konzept hat, warum sollen die anderen nicht davon profitieren?

Was haben sie bisher vereint auf den Weg gebracht?

GEIST: Zum Beispiel haben die Sekretärinnen einen Formularordner zusammengestellt. Wir haben ein einheitliches Anmeldeverfahren entwickelt. Die Kinderchöre der Grundschulen sind gemeinsam aufgetreten, es gab Elternvorträge für alle. Auch im offenen Ganztag kooperieren wir. Die Kindergärten und weiterführenden Schulen wollen wir ins Boot holen. Geplant ist eine Infobroschüre für Eltern. Uns geht es um konkrete Projekte, wir sind praxisorientiert ausgerichtet.

Sechs Schulstandorte zu koordinieren ist aufwändig. Manche Netzwerke scheitern an der mangelnden Organisation.

GEIST: Der Aufbau des Netzwerks forderte Zeit und Ressourcen. Aber der Aufwand im Vorfeld war gerechtfertigt. Die Lehrer haben in einzelnen Arbeitsgruppen Konzepte erarbeitet, von denen jetzt alle profitieren können. Das wiederum ist ein Zeitgewinn für uns.

Was planen Sie für die Zukunft?

GEIST: Zu den Ideen gehört der Aufbau einer Materialbörse oder auch der Erfahrungsaustausch von Schulpflegschaften und Fördervereinen. Unser Netzwerk soll das Leben der Bildungslandschaft in Lübbecke bereichern.

Im Unterricht: Arndt Geist ist als Sprecher der Grundschulen Koordinator für das künftige Netzwerk.

FOTO: HANS-GÜNTHER MEYER

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 28. Januar 2010 | Abgelegt unter Schule |