Schnee und Kälte bestimmen Osterfeuer

Bunsenbrenner sorgen beim Entzünden der Traditionsfeuer für die ersten Flammen



Von Andreas Kokemoor und Gerhard Gläsker
Lübbecke/Hüllhorst (WB). Schneefälle und eisige Kälte haben die Osterfeuer im Lübbecker Land bestimmt. Deshalb hat sich so mancher Bürger entschieden, den bequemen Sessel im warmen trauten Heim nicht zu verlassen, um das Gespräch mit Bekannten und Freunden an Biertheken und Bratwurstständen zu suchen. Grauer Himmel, Nieselregen und Schneefall – bunte Eier, strahlende Kinderaugen: die Dorfgemeinschaft Nettelstedt begrüßte am Ostersamstag trotz widrigen Wetters das Osterfest. Der Vorsitzende der Dorfgemeinschaft, Helmut Öwermann, hatte recht. »Gemeinschaft wird bei uns groß geschrieben. Wir Nettelstedter halten zusammen«. Jung und Alt kamen zum Dorfplatz hinterm Feuerwehrgerätehaus, um dem Osterfeuer beizuwohnen und Zusammenhalt innerhalb der Bevölkerung zu demonstrieren.


Das Osterfeuer hatte oberhalb des Hofes Grönemeier seine volle Ausbreitung
erreicht, als sich Besucher und Ortsvorsteher Willi Oevermann (fünfter von links)
zu einem Apfelpunsch mit Schuss zum Aufwärmen bei der Hauswirtin trafen.Foto: Gerhard Gläsker

Für die Kinder begann der als Familienfest gestaltete Abend früher. »Der Osterhase hat viele bunte Eier versteckt«, gab Helmut Öwermann bei Einbruch der Dunkelheit bekannt. Die Jungen und Mädchen hatten die Ostereier schnell entdeckt. Die Jugendfeuerwehr mit ihren 15 Jungen und einem Mädchen luden die Besucher zu Löschspielen ein und warben schon jetzt für ihren Tag der offenen Tür am 19. April.

Julia Röding und viele weitere Mitstreiterinnnen zeigten im vor dem Schulgebäude aufgebauten Zelt im wahrsten Sinne des Wortes Farbe: Jeder Besucher durfte sich auf einem Stoffstreifen mit seinem Namen und Datum verewigen. Auf einer großen Rolle wurde dieser dann aufgewickelt. Am Ende des Jubiläumsjahres soll dieses Band die Treue der Nettelstedter und seiner Gäste zeigen.
Mit heißen und kalten Getränken vertrieben sich die Besucher die Zeit, bis Helmut Öwermann dann endlich den Gasbrenner nahm und das Stroh, das unter den Ästen und Zweigen lag, zu entzünden. Rauch stieg auf. Das Stroh flammte auf. Erst glühte das nasse Holz nur leicht. Doch die Gewalt des Feuers war größer: schließlich brannte das Osterfeuer. Aus sicherer Entfernung wärmten die Flammen noch wohlig.


Beim Ostereiersuchen auf dem Dorfplatz in Nettelstedt:
(von links) Tim Westerhold, Nina Westerhold und Moritz
Westerhold sind fündig geworden. Schnell lassen sie die
bunten Eier in ihren Taschen verschwinden.Foto: Andreas Kokemoor

An der Kahle-Wart-Straße in Oberbauerschaft hatten die Mitglieder des Rassegeflügelzuchtvereins zwar nicht mit Schneefällen am Ostersonntag auf dem Hof Grönemeier zu kämpfen, aber mit eisiger Kälte. Ortsvorsteher Willi Oevermann wie auch viele Besucher, die auf das Entzünden des Osterfeuers warteten, wärmten sich zunächst mit einem Apfelpunsch mit einem Schuss Amaretto. »Das tut richtig gut«, war oft zu hören.

Der Vorsitzende der gastgebenden Geflügelzüchter, Paul-Gerhard Krüger, hatte alles zur Stärkung vorbereitet. Bei Einbruch der Dunkelheit dann der große Augenblick: »Feuerteufel« Stefan Schläger nahm den Bunsenbrenner zur Hand und setzte das Stroh in Brand, unter dem das Holz, Weihnachtsbäume und Schnittgut aus den Gärten der Oberbauerschafter lag. Genügend Stroh hatten die Züchter von einem stillgelegten Bauernhof ganz in der Nähe bekommen.

»Es ist aber verdammt feucht«, war Stefan Schläger zu hören, »ich hoffe, dass das Feuer durch das Stroh soviel Kraft bekommt, dass auch das Holz wegbrennt. Wenn doch nur etwas mehr Wind herrschen würde.« Letztlich sollte er recht behalten: die Flammen schlugen lange und vernichteten das aufgestapelte Holz und Geäst. Die Besucher verweilten unterdessen an der Brandstelle und auf dem Hof Grönemeier. Für die Kinder hatten die Geflügelzüchter auch gesorgt: ein Korb Ostereier war schnell leer.
»Das Osterfeuer hier an der Kahle-Wart-Straße ist eine alte Tradition. Solange ich im Stadtrat bin, wird sich an dieser Tradtion nichts ändern«, stützte Ortsvorsteher Willi Oevermann das Osterfeuer in Oberbauerschaft.

Artikel vom 25.03.2008
Quelle: Lübbecker Kreiszeitung – Westfalen Blatt

Geschrieben am 26. März 2008 | Abgelegt unter Dorfgemeinschaft |