“Pünktlich wie de Mürkers”

Plattdeutscher Abend auf der Freilichtbühne

Lübbecke-Nettelstedt. Aus Anlass der 975-Jahr-Feierlichkeiten lud die Dorfgemeinschaft Nettelstedt zu einem besonderen Abend für die Freunde der plattdeutschen Sprache ein. Bei Sonnenschein und lauen Temperaturen begrüßte Ewald Schrewe, der auch durch das Programm führte, die Besucher mit einem deftigen “Pünktlich wie de Mürkers”. Und erklärte auch gleich, wo dieser Spruch eigentlich her kommt: Nicht etwa, weil die Maurer morgens so pünktlich anfangen, sondern “sei sind pünktlich, wenn sei Freuhstück, Middach oder Fierobend hät.”

Damit hatte er die Lacher auf seiner Seite. Zum Einstieg spielte der Posaunenchor einige Volkslieder, bei denen das Publikum schon eifrig mitsang. Willi Siebeking, Nettelstedts Ortsheimatpfleger, erzählte Dönekes aus seinem Leben, während Erika Schrewe und Ilse Röthemeyer den wunderbaren Sketch “Düsse Toefall, düsse Toefall” vortrugen.

Dabei treffen sich zwei Frauen auf dem Weg zum Geburtstag eines Bekannten und stellen im Gespräch fest, dass sie ihm dasselbe Geschenk mitbringen. Das ist allerdings noch nicht alles. Außerdem haben beide Frauen keinen Mann, dafür aber sieben Kinder. Und die stammen zufällig von dem Bekannten, den sie gerade besuchen wollen.

Plattdeutsche Lieder trugen auch die Kinder der Freilichtbühne vor.

Sie kamen als Bauern verkleidet auf die Bühne und trugen unter anderem den Klassiker unter Kindern “Sünnematn Obend” vor. Pastor Mayn aus Petershagen, seines Zeichens Großneffe des bekannten deutschen Schauspielers und Sängers Hans Albers, zeigte, dass auch er das Talent besitzt, das Publikum zu unterhalten.

“Mein Herz schlägt für Plattdeutsch”, sagte er am Schluss seiner Vorstellung und legte den Besuchern ans Herz: “Wir müssen aufpassen, dass diese Kultursprache nicht verloren geht.” Denn zurückholen könne man sie nicht. Die Schauspieler der Freilichtbühne führten das Theaterstück “Däi däatschotn Hoahn” von Heimatdichter Martin Simon aus Nettelstedt auf. Dabei sorgte ein vermeintlich toter Hahn für allerlei Verwirrungen.

Die Darsteller des Stückes waren Hans Arning, Wolfgang Hovemeyer, Martha Budde, Maren Wulff, Julia Röding, Helmut Öwermann, Monika Möhlmann, Volker Kracht, Uwe Kottkamp, Thomas Kracht und Manfred Möhlmann. Zum Abschluss des Abends wurden gemeinsam mit dem Publikum plattdeutsche Lieder gesungen.


Ein Schnäpschen in Ehren kann niemand verwehren: Die Freundinnen Erika Schrewe (r.) und Ilse Röthemeyer trinken auf einen gemeinsamen Bekannten.


Immer to late wesn: Willi Siebeking, das plattdeutsche Original aus Nettelstedt.


Um die Jahrhundertwende: Die Kinder der Freilichtbühne sangen in stilechter Kleidung plattdeutsche Lieder und zeigten dabei überhaupt keine Scheu.

Text und Fotos: Mamke Kühl

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 1. Juli 2008 | Abgelegt unter Dorfgemeinschaft,Freilichtbühne |