Auf dem Hünenbrink hat “Pension Schöller” eine umjubelte Premiere

Lübbecke-Nettelstedt. Ein unternehmungslustiger Rentner, dem der Ruhestand zu eintönig ist. Ein Neffe, der von leeren Taschen geplagt wird. Eine aus der Not heraus geborene Idee – die von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint. Gewürzt mit Gästen, die zu Verrückten werden. Das sind die Elemente des Lustspiels “Pension Schöller”, dessen Premiere die Theatergruppe der Freilichtbühne Nettelstedt mit hunderten Zuschauern feierte.
Das Ergebnis? Kein plumper Schenkelklopfer, sondern eine charmante Inszenierung mit feinem Witz, die von den Besuchern auf der fast ausverkauften Freilichtbühne begeistert beklatscht wurde. Ein Profi zu sein nimmt keiner der Akteure in Anspruch. Als professionell ist aber die Arbeit zu bezeichnen, die die Frauen und Männer vom ersten Lesen des Stückes aus der Feder der Herren Carl Laufs und Wilhelm Jacoby bis zu den Auftritten am Wochenende geleistet haben. Vom Bühnenbild bis hin zur Rollenverteilung, der Ausgestaltung der Charaktere und den stilechten Kostümen wirkte – Erfolgsregisseur Hinnerk Walbohm sei Dank – alles wie aus einem Guss.
Worum sich die Posse in drei Aufzügen dreht? Um den Rentier Philipp Klapproth (Hans Arning), dem das heimische Dörfchen zu klein und der Mund eines Stammtischbruders zu groß geworden ist. Philipp aus dem kleinen, idyllischen Kyritz an der Knatter reist ins sündige Berlin zu seinem Neffen Alfred (Volker Kracht), der in der finanziellen Klemme steckt. Die beiden Männer kommen ins Geschäft: Wenn Alfred Philipp zu einem Gesellschaftsabend in einer Nervenheilanstalt verhilft, will der Onkel dem Neffen auf die beruflichen Beine helfen.
Mangels eines richtigen Sanatoriums schleppt Alfred den abenteuerlustigen Senior mit in die Familien-Pension Schöller – und verkauft die illustren Gäste des Direktors als nach Heilung dürstende Patienten.
Für Philipp Ist der Besuch der vermeintlichen “Irrenanstalt” samt ihrer skurrilen Bewohner ein riesiger Spaß: Er plant mit dem Großwildjäger und Weltreisenden Professor Fritz Bernhardy (Jörg Röding), kuscht vor dem aufbrausenden Major a.D. von Zahn (Wolfgang Dehne), fantasiert mit der nervtötenden Schriftstellerin Josephine Zilletal (Kerstin Kottkamp), foppt den angehenden Schauspieler Eugen (Arne Philipp Arning), der ein herrlich-komisches Handicap pflegt: Eugen kann kein “L” sprechen, was sich besonders bei “Winhenn Tenn”, “Othenno” und anderen “nyrischen Neckerbissen” äußerst “sentsam” anhört.
Bis das Licht, das der Unruheständler entzündet hat, gigantische Schatten wirft, die unvermutet über den spaßigen Kauz und seine unbeteiligte Schwester Lieselotte Sprotte (Monika Bachmann) hereinbrechen. Das Chaos von Verwechslungen und Missverständnissen nimmt seinen Lauf. Auch Liebesgeschichten bahnen sich an. Wieder daheim will der alte Klapproth eigentlich sein normales Leben weiterführen. Aber bis das wieder einkehrt und er nur knapp eigener Verwirrtheit entgeht, hat er noch viel auszuhalten. Denn alle vermeintlich Geisteskranken aus der Pension tauchen plötzlich auf seinem Gut bei Kyritz auf. Mehr sein an dieser Stelle noch nicht verraten, sollte man sich das Stück doch am besten selber anschauen.
Wer nun auf den Geschmack gekommen ist und das urkomische Treiben in der Pension erleben möchte, hat noch bis zum 1. September, jeweils samstags ab 20.30 Uhr, die Gelegenheit dazu.

Drohung: Der verrückte Professor Fritz Bernhardy (Jörg Röding) will mit Philipp Klapproth (Hans Arning) eine Weltreise unternehmen. Als Klapproth Zweifel kommen, greift Bernhardy zur Waffe.

Begegnung: Hofbesitzer Klapproth (Hans Arning, r.) will sein Rentnerleben aufpeppen und sucht eine Herausforderung. Nach seinem Besuch der Pension Schöller – einer vermeintlichen “Irrenanstalt” – halten ihn seine Schwester Lieselotte Sprotte (Monika Bachmann), deren Töchter Ida (Anne Hellweg) und Hedwig (Jana Hagemeyer, v.l.) für verrückt.
Text und Fotos: Patrick Menzel
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke