von Horst Helmich
Am Sonntag Misericordias Domini, 10. April 1896, wurde der Posaunenchor der Kirchengemeinde Gehlenbeck gegründet.
Zu der Zeit gehörten zur Kirchengemeinde Gehlenbeck auch die Gemeinden Eilhausen und Nettelstedt. Die Freude am Posaunenblasen wurde durch den damaligen Gehlenbecker Lehrer Kaiser geweckt. Er wohnte bei Landwirt Pohlmann und blies auf seinem Flügelhorn wohl bei offenem Fenster häufig Choräle, die über den Ort klangen und auch nicht an den Ohren des damaligen Pastor Meyer ungehört vorbeigingen. Er war es nämlich, der an jenem Sonntag etliche “Jünglinge” aus den Ge-meinden Gehlenbeck, Eilhausen und Nettelstedt zusammenrief, um einen Posaunenverein zu gründen.
Der Seelsorger veranstaltete dazu in den drei Gemeinden eine Sammlung. Das gesammelte Geld war der Grundstock für die Anschaffung der ersten Instrumente. Die Spendensummen wurden festgehalten in dem ersten “Contobuch”. Das Spendenergebnis war bis zum November 1897 auf 684,50 Mark angestiegen. Aus Gehlenbeck waren es acht und aus Nettelstedt sieben “Jünglinge”, die das Blasen erlernen wollten. Die Übungsstunden wurden abwechselnd in Gehlenbeck und in Nettelstedt abgehalten.
Lehrer Kaiser war auch der erste Chorleiter. Nach intensivem Übungsblasen konnte schon nach kurzer Zeit der erste Auftritt im Gottesdienst in der Gehlenbecker Kirche erfolgen.
Als Lehrer Kaiser versetzt wurde, trennten sich die beiden Chöre. Neue Chorleiter wurden in Nettelstedt ab 1899 die Lehrer Klute und Schröder. Später übernahm dann Herr Friedrich Kröger, der Großvater von Karl und Albert Kröger, die Leitung des Chores. Dieses Amt bekleidete er bis zur Vollendung seines 65. Lebensjahres und übergab dann die Leitung an seinen Sohn Friedrich, den Vater von Karl und Albert Kröger. Über lange Jahre leitete Friedrich Kröger den Posaunenchor Nettelstedt. Immer wenn in Gehlenbeck in der Kirche geblasen wurde, leitete er beide Chöre.
Zwischenzeitlich übernahm Karl Kröger die Leitung. Er hatte sich schon seit Jahren der Ausbildung des Nachwuchses gewidmet, und so mancher Bläser hat bei ihm das Blasen gelernt. Aus beruflichen Gründen musste Karl Kröger die Chorleitung wieder abgeben. Sein Vater Friedrich Kröger übernahm noch einmal für kurze Zeit die Leitung.
Seit dem 25. Januar 1972 ist der Lehrer der Grundschule Nettelstedt, Horst Helmich, Posaunenchorleiter in Nettelstedt. Horst Helmich war schon seit 1966 als Organist und Kirchenchorleiter tätig.
Die Chorleitertradition im Hause Kröger ist aber auch noch nicht beendet: Uwe, der Sohn von Albert Kröger, ist nun nach einigen Jahren Tätigkeit als Landesposaunenwart wieder Chorleiter in Gehlenbeck.
Während der Kriegsjahre fanden sich immer so viele Männer in Nettelstedt, dass die bläserische Arbeit nicht zum Erliegen kam.
Der Posaunenchor ist Mitglied im Posaunenwerk in der Evangelischen Kirche von Westfalen und Mitglied im CVJM-Westbund. Er pflegt in erster Linie das evangelische Kirchenlied in den verschiedenen Formen seiner Bearbeitung. Aber auch andere angemessene Lied- und Musizierformen gehören zu seinem Repertoire. Er nimmt somit eine wichtige kulturelle Aufgabe wahr.
Der Posaunenchor hat einen Vorstand, der in der einmal jährlich stattfindenden Mitgliederversammlung gewählt wird. Der Vorstand besteht aus dem 1. Vorsitzenden, dem Chorleiter, dem stellvertretenden Chorleiter, dem Schriftführer, dem Kassierer, dem Instrumenten- und Bücherwart, dem Leiter für Beerdigungsblasen und dem Jugendvertreter.
Musiziert wird mit choreigenen und privaten Instrumenten. Das Notenmaterial ist Eigentum des Posaunenchores. Neue Instrumente, Reparaturen der Instrumente und das Notenmaterial werden von Spendengeldern finanziert. Die etwa hundertneunzig Einsätze pro Jahr setzen sich zusammen aus Übungsstunden (immer dienstags), Blasen bei Altengeburtstagen, Beerdigungsblasen, Krankenhausblasen, Blasen bei Gottesdiensten und sonstigen kulturellen Veranstaltungen in der Gemeinde.
Jedes Jahr, vierzehn Tage nach Ostern, am Sonntag Misericordias Domini, feiert der Posaunenchor seinen Geburtstag.
Auch für den Posaunenchor Nettelstedt ist es schwieriger geworden, Nachwuchs zu gewinnen. Zu schmerzlichen Ausfällen kommt es nämlich immer dann, wenn junge Bläser zum Beispiel nach Schulabschluss zur weiteren Ausbildung den Ort verlassen. Zum anderen gibt es heute ein Überangebot an Aktivitäten, unter denen Jugendliche auswählen können. Und da hat dann das Blasen geringere Chancen, weil es hierbei doch nicht ohne etwas mehr Einsatz geht. Erfreulicherweise haben sich bis heute aber immer wieder ein paar gefunden, die man für den Bläserdienst begeistern kann.
Viele Bläser halten dem Posaunenchor, der nun schon über einhundertzehn Jahre besteht, seit Jahrzehnten die Treue.
2007 werden folgende Bläser geehrt:
| Heinz Hucke | 60 Jahre |
| Andrea Möller | 20 Jahre |
| Thorsten Kahmeier | 20 Jahre |
| Volker Kahmeier | 10 Jahre |
| Henrik Wegener | 10 Jahre |

Mitglieder des Posaunenchors 2007. Hintere Reihe: Frank Wolkensinger, Stefan Peper, Heiko Wegener, Daniel Kracht; mittlere Reihe: Herbert Steinmeier, Björn Sprenger, Reiner Tiemann, Volker Tiemann, Henrik Wegener, Günter Lömker, Florian Westerfeld, Willi Kracht, Carsten Hormann; vordere Reihe: Andrea Möller, Heinz Wullbrand, Friedel Bramkamp, Björn Marx, Horst Helmich