Weiblicher Storch kehrt nicht zum Großen Weserbogen zurück / Im Freistaat Aspel wird wieder gebrütet

Kreis Minden-Lübbecke. Sie schnäbelten nur einen Sommer. Eine Wiederholung der Storchenbrut am Großen Weserbogen in Porta Westfalica gilt als unwahrscheinlich, zumindest mit denselben Hauptakteuren. Der Grund: Frau Adebar (3), besser bekannt unter dem Namen “Porti”, verbringt die Saison lieber im europäischen Ausland. Hochzeitsstimmung dagegen nach drei Jahren Abstinenz im Freistaat Aspel. Die Nettelstedter freuen sich über ein brütendes Paar bei Bauer Aspelmeier. “Ringableser der französischen Vogelwarte Bird Ringing Centre Paris haben den weiblichen Storch Porti in Mittelfrankreich registriert”, berichtet Erwin Mattegiet vom Aktionskomitee “Rettet die Weißstörche”. Der Petershäger Experte Dr. Alfons Bense nimmt an, dass das Weibchen sich in Frankreich bereits verpaart hat. “Es ist kaum davon auszugehen, dass Porti zum Brüten in den Mühlenkreis zurückkehrt”, bedauert der Dehmer Mattegiet.
Die Hoffnung auf Storchennachwuchs hat man in Porta Westfalica trotzdem nicht aufgegeben. Mindestens zwei Szenarien sind denkbar. Erstens könnte “Oeyni”, das nicht beringte Männchen, dem Großen Weserbogen die Treue halten und sich mit einer neuen Partnerin auf dem Horst niederlassen. “Es ist nämlich eine Mär, dass Störche treu sind”, erklärt Dr. Albrecht von Lochow, Umweltamtsleiter in Porta Westfalica. Die Vögel gingen fremd.
Zweites könnte auch ein unbekanntes Paar mit dem Brutgeschäft beginnen. Zuletzt, so von Lochow, seien drei Adebare am Horst gesichtet worden, die dort eventuell nach einem Nistplatz Ausschau gehalten hätten. Dabei blieb es dann allerdings. “Wir haben die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben”, macht Erwin Mattegiet in Optimismus. Spätestens bis Mitte Mai müssten die ersehnten Nachzügler jedoch eintreffen. Danach würde die Zeit zu knapp. Bis Ende August müssen Jungstörche kräftig genug sein, um nach Afrika fliegen zu können.
Im vergangenen Jahr hatten “Porti” und “Oeyni” für ein Wechselbad der Gefühle gesorgt. Groß war damals die Freude über die erste wilde Ansiedlung und Aufzucht im Südkreis seit 100 Jahren. Bald jedoch legten sich Schatten über das junge Glück. Erst ließ das Paar sein Einzelkind fast einen Tag lang allein. Dann das Drama: Eines Abends im Juni lag das zwei Wochen alte und 420 Gramm schwere Küken tot unterm Horst. Möglicherweise hatten die Eltern den Kleinen aus dem Nest geworfen.
Während dieses Jahr das Warten auf die Weißstörche im Südkreis noch andauert, haben im Nordkreis bereits 21 Paare ihre Horste bezogen. Das deutet auf ein gutes Brutjahr hin.
Im Freistaat Aspel (Nettelstedt) haben sich die Störche offensichtlich endlich wieder auf ihren guten Ruf als Babyboten besonnen. Bei Bauer Aspelmeier ist der Horst besetzt – “zum ersten Mal seit drei Jahren”, berichtet Hermann Nagel vom Naturschutzbund Minden-Lübbecke.
Auch in die anderen Nester im Raum Lübbecke hat der Nabu einen prüfenden Blick geworfen. In der Rauhen Horst wird nicht geklappert: Dort errichteten die Naturschützer im vergangenen Jahr ein neues Nest, das bisher jedoch noch nicht angenommen wurde. Nagel: “Wir hatten aber auch nicht damit gerechnet, dass es so schnell geht.”
Hoffnung auf Nachwuchs gibt es dagegen wieder in Gehlenbeck. Auf dem Schornstein der ehemaligen Tonwarenfabrik hat sich ein Paar häuslich niedergelassen, während am Moorschutzhof die Nester noch leer stehen. Nagel: “Aber einige Einzelstörche und auch ein Paar haben schon einen prüfenden Blick reingeworfen.” Vielleicht überlegen sie es sich ja noch.

Abflug: Dreifachen Nachwuchs gab es im vergangenen Jahr in Gehlenbeck. Hier holt Papa (oder Mama?) Nahrung. Foto: Günter Kottkamp

Volle Weide, leerer Horst: Die Schafe, die am Großen Weserbogen in Porta Westfalica unter der Nistplattform grasen, warten noch auf Gesellschaft durch ein Paar Störche. Foto: Stefan Lyrath
Text: Stefan Lyrath und Kerstin Kornfeld
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke