Plötzlicher Reichtum stiftet Unruhe

Winterstück-Premiere ausverkauft

Von Sonja Gruhn
Nettelstedt (WB). Eine überaus gelungene Premiere präsentierten die Spieler der Freilichtbühne Nettelstedt am Freitag mit der spritzigen, rasanten und turbulenten Komödie »Funny Money«. Die Vorstellungen am Wochenende waren komplett ausverkauft. Einmal mehr bewies die Spielgemeinde, dass sie es sowohl in punkto Regie als auch auf der Bühne wirklich drauf hat. Die Besetzung hätte besser nicht sein können. Dabei zeigte auch der Bühnennachwuchs, was in ihm steckt und wie gut das Zusammenspiel mit den »alten Hasen« klappt.

In dem Stück von Ray Cooney, das in einer bearbeiteten Fassung von Regisseur Thomas Kracht gezeigt wurde, gelangt der Angestellte Henry Perkins durch die Verwechslung seiner Aktentasche unerwartet zu Reichtum. Zunächst kann Henry es nicht fassen, versucht seine Gedanken auf dem Heimweg zu ordnen und landet in einer Gay-Bar. Dort erweckt sein seltsames Verhalten die Aufmerksamkeit des Polizisten Davenport, der sich hier rein »zufällig« aufhält. Allerdings verdächtigt er Henry der Unzüchtigkeit und verfolgt diesen schließlich bis nach Hause.

Henry sieht nur einen Ausweg, beschließt gemeinsam mit seiner Frau Jean das Land zu verlassen und ordert ein Taxi. Jean ist da ganz anderer Ansicht, erklärt Henry für verrückt und sucht ihre Fassung im Hochprozentigen wieder zu erlangen, als ein mysteriöser Anrufer ins Spiel kommt und der korrupte Polizist Davenport auf der Bildfläche erscheint.


Henry (Volker Kracht, 2.v.l.) und Betty (Ramona Schütte, 2.v.r.) versuchen dem völlig verwirrten Vic (Stefan Röding, r.) auf die Sprünge zu helfen, während Polizist Slater (Alexander Arning, l.) das Geschehen mit einer gehörigen Portion Misstrauen verfolgt. Fotos: Sonja Gruhn

Und dann kommen auch noch Betty und Vic Johnson, die zu Henrys Geburtstagsfeier eingeladen waren. Die clevere Betty erfasst schnell die Situation, während ihr Mann Vic zwar durchaus die Sprache des Geldes versteht, mit den Zusammenhängen aber völlig überfordert ist.

Derweil kämpft Taxifahrer Bill mit dem Problem, wen er nun eigentlich wohin bringen soll. Zunächst versucht er geduldig, mit den ständig wechselnden Gegebenheiten klar zu kommen, schließlich platzt aber auch ihm der Kragen.Und damit das Chaos komplett wird, überbringt Polizist Slater dann noch die Nachricht, dass Henry ermordet worden sei und zeigt sich entsetzt über das angebliche »australische Brauchtum«, das die Beteiligten in unterschiedlichster »Besetzung« auf dem Sofa, eingehüllt in einer Decke, anscheinend mit wachsender Begeisterung pflegen.Volker Kracht gibt einen herrlichen Henry Perkins, der während des gesamten Stückes eine nicht enden wollende Berg- und Talfahrt erlebt. Die Kraft, die es ihn kostet, Jean zu überzeugen, sich immer neue Ausreden einfallen zu lassen und in dem ganzen Wirrwarr noch zu wissen, wer er gerade ist, sieht man ihm förmlich an.Monika Bachmann brilliert als Jean, die zunächst noch geistesgegenwärtig reagiert, schließlich aber überzeugend mit jeder Szene betrunkener und damit zum nächsten Problem wird.

Hans Arning wirkt als Davenport im Tranchcoat wie Peter Falk. Die Gratwanderung zwischen gutem und bösem Polizisten nimmt man ihm ab. Nicht zuletzt begeistert er durch sein Minenspiel.Thomas Kracht als Taxifahrer Bill gelingt es hervorragend mit trockenen Bemerkungen, gezügelter Entnervung und seiner versteckten Cleverness zu überzeugen. An Jerry Lewis in jungen Jahren fühlt man sich leicht erinnert, wenn Stefan Röding in seiner Rolle als begriffsstutziger Vic agiert und ihm deutlich anzusehen ist, wie er verzweifelt versucht, dem ihm jeweils im Stück zugedachten Platz einzunehmen. Hier erzeugen selbst Mimik und Gestik Lachstürme.Ramona Schütte gibt sich als Betty frisch und berechnend ohne dabei ihren Charme zu verlieren. Wie auch einem besonnenen und mitfühlenden Polizisten der Geduldsfaden reißen kann, zeigt Alexander Arning so authentisch, dass der Zuschauer direkt Mitleid bekommt.Das Stück besticht durch den rasanten Ablauf und die gekonnte Inszenierung. Die Szenerie rückten die Techniker Tobias Wehrmann, Philip Öwermann und Achim Tiemann, der auch für die passenden Knalleffekte verantwortlich zeichnete, ins rechte Licht.


Für Taxifahrer Bill (Thomas Kracht, r.) ist der Fall klar, trotz der verzweifelten Versuche, die Jean (Monika Bachmann, m.) unternimmt, um sich nicht zu verraten. Polizist Davenport (Hans Arning, l.) merkt langsam, dass hier etwas nicht stimmt.

Artikel vom 21.01.2008
Quelle: Lübbecker Kreiszeitung – Westfalen Blatt

Geschrieben am 24. Januar 2008 | Abgelegt unter Freilichtbühne |