Naturschutzbund befürwortet Jagd auf Wildschweine

Lübbecke-Gehlenbeck. Als Jagdleiter Heinrich Greve das Kommando „Sau tot“ an die Bläsergruppe gibt, erwies auch der Schützenkönig des Tages dem erlegten Wild die letzte Ehre. Ulrich Beckschewe, Jagdhornbläser aus Gestringen, hatte in den eisigen Stunden zuvor gleich drei von insgesamt neun Wildschweinen erlegt. Seine Jagdkameraden standen nahezu Schlange, um zu gratulieren.
„Manch ein Jäger hat in seinem ganzen Leben nicht so ein Glück“, sagt Beckschewe fast entschuldigend. Ihm ist es schon zum zweiten Mal gelungen – bei einer Jagd in der Eifel klappte es schon einmal mit dem waidmännischen Hattrick. Seit dreißig Jahren geht der Gestringer nun schon auf die Pirsch. Der Freitagabend dürfte einer der teuersten der letzten drei Jahrzehnte geworden sein.
Neun so genannte Frischlinge und Überläufer lagen nach vier eiskalten Jagdstunden auf einem quadratischen Teppich aus Tannenzweigen, an jeder Ecke eine lodernde Fackel. Keines der Tiere ist älter als zwei Jahre. So war es von Jagdleiter Heinrich Greve geplant. „Die Richtlinie war Jung vor Alt“, sagt der Unternehmer mit Organisationstalent. Während die durchgefrorenen Treiber und Jäger eine heiße Suppe löffelten, suchten Jäger mit Schweißhunden noch nach zwei verschwundenen Wildschweinen.
Die Jagd im Torfmoor war nicht nur eine Premiere, sondern auch eine logistische Herausforderung. Im Gegensatz zu einem Waldgebiet konnten die Treiber nicht in einer Reihe und Himmelsrichtung das Gelände abarbeiten. Die unzähligen Wasserflächen mussten umgangen werden – das Eis war nicht tragfähig genug.
Den Beweis dafür trat Friedrich Meyering an. Er leistete sich einen Fehltritt und brach bis knapp zur Hüfte durch die Eisdecke ein. Selbstverständlich bekam sein Gewehr keinen Tropfen ab – er hielt es sicher über seinem Kopf. Der ortskundige Jäger nahm es gelassen und fuhr schnell nach Hause, „wo ich mich erstmal trocken gelegt habe“, so Meyering mit einem breitem Lächeln. Der kurzzeitige Spott seiner Jagdkollegen war ihm allerdings sicher.
Die erste Drückjagd im Naturschutzgebiet Großes Torfmoor hat allerdings einen ernsten Hintergrund. Der Schwarzwildbestand, also Wildschweine, ist in ganz Nordrhein-Westfalen um ein Vielfaches zu hoch – Schätzungen gegen von bis zu 80.000 Tieren aus. Nach ersten Schweinepestfällen bei Wildtieren im Rheinland wurde auch die Politik auf das Problem aufmerksam. Eine „äußerst intensive Bejagung“ wird seither als notwendig angesehen.
Den Wildschweinen fehlt es an einem natürlichen Feind. Können sie sich in Ruheräume zurück ziehen und ist dazu noch genügend Futter vorhanden, wachsen die Rotten schnell an. All das trifft auf die Situation im Torfmoor zu. Die Jagd-Unterstützung des Naturschutzbundes Nabu zeigt deutlich, dass die Reduzierung der Bestände im Sinne der Natur ist. Zumal die Schwarzkittel-Population im Moor bei Weitem nicht gefährdet ist. Eine Rotte mit geschätzt einem halben Dutzend Frischlingen konnte sich rechtzeitig aus dem Staub machen.
Am Ende waren alle Beteiligten froh – Jagdtrieb hin oder her – den Heimweg zur heißen Badewanne einzuschlagen.

Sperrung: Warnung vor flüchtenden Wildschweinen.

Schöne Tradition: Die Jagdbläser hatten vor und nach der Jagd mehrfach ihren Einsatz.

Zufriedener Jagdleiter: Heinrich Greve organisierte die erste Schwarzwildjagd im Torfmoor.

Schwieriges Terrain: Jäger wie Treiber kämpften sich bei eisigen Temperaturen durch das Torfmoor. Ein Schütze leistete sich einen Fehltritt und brach durch das Eis – ohne schwerwiegende Folgen.
Text und Fotos: Tyler Larkin
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke