Lübbecker Grundschulen schließen sich zum Netzwerk „Wir machen Schule“ zusammen

Lübbecke. In vielen Städten NRWs streiten sich Schulleiter um jeden Schüler. Hohe Anmeldezahlen sollen den Ruf der jeweiligen Schule verbessern. Das sehen Lübbecker Schulleiter anders: Seit gestern arbeiten die sechs Grundschulen offiziell zusammen. Ein Antrieb der Pädagogen war dabei besonders stark: der Wunsch nach mehr Bildung.
Janine hüpft von der Bühnentreppe in der Aula der Grundschule Regenbogen. Eigentlich geht die Neunjährige in Gehlenbeck zur Schule. Doch auf die Auftritte mit den anderen 80 Chorkindern aus ganz Lübbecke freut sie sich besonders: „Mit so vielen Kindern zu singen, ist toll.“
Nicht nur die jungen Sänger profitieren von der verstärkten Zusammenarbeit der Grundschulen Blasheim, Astrid Lindgren, Im Kleinen Feld und Regenbogen sowie des Grundschulverbundes Gehlenbeck-Nettelstedt. 85 Lehrer und etwa 1.000 Schüler gehören der neuen Verbindung an. Die Lübbecker Schulleiter formulierten auf der gestrigen Auftaktveranstaltung vor rund 100 Kollegen Vergangenheit und Ziele des neuen Netzwerks. Seit 1998 tauschen sich die Schulleiter der sechs Grundschulen bereits regelmäßig aus. Doch in den vergangenen Jahren nahm der Druck auf das Kollegium zu, sich offiziell zusammenzuschließen: „Die Landesregierung setzt immer häufiger den Rotstift an – etwa bei Fortbildungen“, sagt Arndt Geist, Sprecher der Grundschulen und Koordinator des Netzwerks. Als Verbund bekommen die Lübbecker Kollegen künftig mehr Fortbildungen zugeschrieben, können sich austauschen und stärker Druck machen: „Als Zusammenschluss können wir unsere finanziellen Interessen selbstbewusster vertreten“, sagt Geist, „auch gegenüber der Stadt.“
In den vergangenen zwei Jahren trafen sich die Studienräte zu den ersten zwei Fortbildungstagen. 2009 stemmten sie bereits zahlreiche Projekte gemeinsam: einen Leitfaden für Lehramtsanwärter, eine Schulwoche zum Thema Verkehrserziehung, ein Schul-ABC für neue Lehrer und eine gemeinsame Internetseite. Schulleiter und -träger starteten zudem ein einheitliches Anmeldeverfahren für alle Grundschulen der Stadt. „Teilen verbindet“, gab Schulamtsdirektorin Marga Bretthauer dem Zusammenschluss ihren Segen. „Wer teilt, ist nicht allein.“ Die nächsten Ziele der Netzwerker sind klar: Eine gemeinsame Materialbörse soll den Austausch von Schulbüchern, Sportgeräten und Bastelmaterialien ermöglichen – eine regelmäßige Schülerwoche für Verkehrserziehung und eine Tagung aller Kollegen den Zusammenhalt stärken.

Etappenziel erreicht: Arndt Geist, Netzwerkkoordinator.

O-Saft für alle: Die Chorkinder feiern ihren Auftritt mit den süßen Belohnungen der Schulleitung.


Netzwerkparty in der Schulaula: Kabarettist Harald Mewes bringt die Pädagogen in der Grundschule Regenbogen mit Paukerwitzen zum Lachen. Als gemeinsames Projekt der Lübbecker Grundschulen singt der gemeinsame Schulchor auf der Auftaktveranstaltung des neuen Verbundes.
FOTOS: TYLER LARKIN
TEXT: JAN RÖßMANN
Kitas als Vorbild
Ideengeber für das Netzwerk „Wir machen Schule“ der Lübbecker Grundschulen war unter anderem der Mosaik-Verbund der sieben Kindertagesstätten. Die Kitas „Sonnenschein“, „Miteinander“, „Beethovenstraße“, „Regenbogen“, „Schatzinsel“, „Wilde Wiese“ und die Kita Minden-Lübbecke betreuen rund 500 Kinder und arbeiten seit März 2008 zusammen. Auch in Bad Oeynhausen gibt es einen Grundschulen-Verbund. (röß)
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke