Massiver Stellenabbau bei Hucke AG

273 Mitarbeiter müssen gehen

Von Wilfried Mattner
Nettelstedt (WB). Gestern Mittag wurde die Furcht der Belegschaft der Hucke AG vor einem massiven Abbau von Arbeitsplätzen Gewissheit. In einer Betriebsversammlung informierte die Unternehmensleitung darüber, dass 273 Stellen zur Disposition stehen. Von diesem radikalen Schnitt bei dem seit November vergangenen Jahres in Zahlungsschwierigkeiten steckenden Bekleidungshersteller ist insbesondere der Standort Lübbecke betroffen. Allein hier werden 230 Stellen gestrichen. 171 Mitarbeitern will man das Angebot zur Übernahme in eine Transfergesellschaft machen. Für weitere 40 Stellen gelten Sonderregelungen, wozu z.B. der »Ausstieg« wegen Mutterschaft zählt. Und die restlichen 62 Arbeitsplätze fallen weg, weil befristete Beschäftigungsverträge nicht verlängert werden und einige Mitarbeiter selbst gekündigt haben.
Hucke Vorstand Gerd Eversheim, seit Mitte November vergangenen Jahres im Amt, lobte in einer Erklärung »das Engagement der Mitarbeiter, durch das wir die schwierige Situation bis heute überbrücken konnten«. Der jetzt beschlossene Personalabbau sei »ein harter Einschnitt«. Aber mit dem zwischen Geschäftsleitung und Betriebsrat verhandelten Interessenausgleich »ist die lange Zeit der Unsicherheit für alle Mitarbeiter vorbei und endlich eine wesentliche Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit von Hucke geschaffen«.


Gestern Mittag um 12.30 Uhr: Soeben haben die Hucke-Mitarbeiter in der Betriebsversammlung von den Personalabbauplänen erfahren. Bestürzung macht sich breit. Foto: Wilfried Mattner

Mit dem massiven Stellenabbau verbunden ist auch eine Neustrukturierung des Modekonzerns. Er wird die Marke Frank Eden Woman verkaufen sowie vier Divisionen bilden und einen Zentralbereich schaffen. Im Zuge dieses Konzernumbaus wird die Zahl der Mitarbeiter auf 241 reduziert -weniger als die Hälfte der bisherigen Belegschaft. Nur noch etwa 140 Mitarbeiter bleiben bei der Hucke AG am Standort Lübbecke-Nettelstedt. Der Vorstand versteht diese Maßnahmen offenbar als wichtigen Teil des Rettungsplanes für das Unternehmen, das »die längst überfällige Konzentration auf zukunftsfähige Kernbereiche und die Marktanforderungen als Grundlage für die langfristige Überlebensfähigkeit der Hucke AG« sieht. Diese Eckpunkte seien zwischen Unternehmensleitung und Arbeitnehmer-Vertretern festgeschrieben worden – auch mit dem Ziel, die Voraussetzungen für den Einstieg potenzieller Investoren zu schaffen. Der Vorstand, so hieß es gestern, werden diesen Rettungsplan auch den Anteilseignern in der Hauptversammlung präsentieren. Wann sie stattfinden wird, steht allerdings noch nicht fest.
Die Logistik für die Divisionen DOB, Haka und KOB wird ausgelagert und am Standort Oeding zusammengelegt. Für Venice Beach wird dies Hagenow sein. Für den Unternehmensbereich Frank Eden Woman deutet sich der Verkauf in Form eines Management-buy-outs für Mitte April an. Dahinter steht die mehrheitliche Übernahme eines Unternehmens oder -teiles durch das eigene bzw. bisherige Management.
Stimmen
Nicht nur von einer schlechten Nachricht, sondern von einer »Katastrophe« spricht Bürgermeisterin Susanne Lindemann. »Das ist der letzte Traditionsbetrieb dieser Branche, der mit Lübbecke eng verbunden ist. Aber wir haben das ja in den vergangenen Jahren erlebt, es ging immer weiter nach unten. Für die Menschen und ihre Familien ist das sehr traurig.« Susanne Lindemann äußerte zudem die Befürchtung, dass in der Mehrzahl Frauen betroffen sein werden. »Und gerade für Frauen, die auf diesen Bereich spezialisiert sind, ist es schwierig, neue Arbeit zu finden. Es gibt ja hier kaum Firmen dieser Branche. Jeder Arbeitsplatz, der verlorengeht, ist schlimm. Das ist bitter für Lübbecke.« Angesichts der verbesserten wirtschaftlichen Lage habe man immer noch die Hoffnung gehabt, dass sich auch das Unternehmen vor Ort berappeln werde. Hoffnungen, die sich leider nicht bestätigt hätten.

Karl-Friedrich Rahe, stellvertretender Bürgermeister: »Solche Nachrichten sind bestürzend.« Seit Eröffnung des Insolvenzverfahrens habe er mit so etwas nicht unbedingt gerechnet, sondern gehofft, dass man hier noch etwas hätte retten können. Nun sei es wichtig, »dass es in Lübbecke irgendwie gelingt, für die Leute, die jetzt freigesetzt werden, Arbeit zu finden.« Was die Ansiedelung neuer Unternehmen betrifft, sei man auf einem guten Weg, schließlich habe das Lübbecker Industriegebiet gute Noten bekommen. »Ich hoffe, dass es gelingt, durch Neuansiedelungen von Unternehmen auch neue Arbeitsplätze zu schaffen. Die Lübbecker Politiker sind darum bemüht, die Weichen zu stellen.«

Zur Sache
Der Sinkflug des Hucke-Konzerns hält unvermindert an. Da half auch Top-Model Eva Padberg nichts – und auch nicht der 7-Mio.-Euro-Massekredit der Heller Bank. Nur noch 241 Arbeitsplätze werden nach dem massiven Personalabbau übrig bleiben: Die Beschäftigten des Modekonzerns stehen vor einem Scherbenhaufen. Nach den Erfahrungen der vergangenen Monate drängt sich die Frage auf, wann auch diese zur Disposition stehen werden. Denn alle bislang getroffenen Maßnahmen hatten nur die Ausdünnung des Arbeitsplatzangebots zur Folge. Wer mag jetzt noch an eine Gesundung des Konzerns glauben?Erwin Eisfeld

Quelle: Lübbecker Kreiszeiung – Westfalen Blatt

Geschrieben am 31. März 2007 | Abgelegt unter Gewerbe |