Nettelstedter Jugend ist überall unerwünscht

Versprochenes Bushäuschen kommt vorerst doch nicht

Von Christian Busse
Nettelstedt (WB). »Es ist eine Katastrophe!« Mit diesen Worten umschreibt Karin Radeck die Situationder Nettelstedter Jugend. »Die jungen Leute haben keinen Platz, an dem sie sich treffen können.« Eine Zusage der Stadt, ein Bushäuschen als Treffpunkt in der Hebkestraße aufzustellen, ist nun zurückgezogen worden. Eigentlich war alles klar: Vor der Kommunalwahl hat Bürgermeisterin Susanne Lindemann auf dem Ortsteilgespräch in Nettelstedt verkündet, dass die 20 Jugendlichen, die sich regelmäßig an einer abseitsgelegenen Bank in der Hebkestraße treffen, ein überschüssiges Bushäuschen als Wind- und Regenschutz bekommen (die LK berichtete). Das Angebot: Die Stadt stellt das Häuschen auf und stellt Farbe zur Verfügung und die Jugendlichen kümmern sich selbstständig um ihren Treffpunkt. Doch jetzt macht die Stadt einen Rückzieher – vorerst jedenfalls. »Es gab Vorbehalte der anliegenden Grundstücksbesitzer«, sagt Stadt-Pressesprecher Peter Schmüser. Zwar gehöre der Grund auf dem das Häuschen aufgestellt werden sollte der Stadt, doch nach Angaben Schmüsers gaben die Landwirte an, nicht mehr mit ihren Maschinen wenden zu können, falls das Häuschen aufgestellt werden sollte. Nach Informationen dieser Zeitung sollen die Grundbesitzer sogar mit einem Anwalt gedroht haben.
Ob das der wahre Grund für den Einspruch der Bauern ist, ist fraglich. Die Organisatorin Karin Radeck vermutet eher, dass man aus grundsätzlichen Erwägungen gegen die Aufstellung des Bushäuschens ist. »Man will einfach nicht, dass sich die Jugendlichen irgendwo treffen«, sagt Karin Radeck.

Hier hätte das Bushäuschen aufgestellt werden sollen: (von links, sitzend) Sina Spreen, Josephine Granzow, Benjamin Becer und Alex Kazakov, (hinten von links) Jannik Koch, Thomas Enns, Jordan Henkies, Robin Becer und Christian Janzer. Foto: Christian Busse

Die Fronten scheinen verhärtet: Beim Ortsteilgespräch gab es massiven Widerstand gegen die Pläne. In einer nur als abweisend zu bezeichnenden Gesprächsatmosphäre fragten Erwachsene, wer den gewährleisten würde, dass der Jugendschutz eingehalten wird, was mit dem Müll sei und ob denn nicht Passanten angepöbelt werden. Die Jugendlichen sprachen ihrerseits von Autofahrern, die mit hoher Geschwindigkeit absichtlich sehr dicht an ihnen vorbeifahren würden.
Schon bevor die jungen Leute den Platz an der Hebkestraße aufsuchten, gab es Streit über den Treffpunkt. Zuerst versammelten sie sich regelmäßig in der Stadt vor einem Geschäft. Aber auch dagegen gab es Widerstand. Um nicht weiter zu stören, haben sich die Jugendlichen extra einen Platz ausgesucht, der außerhalb des Ortes an einem unbewohnten Feld liegt. Doch auch hier scheinen sie einigen ein Dorn im Auge zu sein. Zurzeit sucht die Stadt fieberhaft nach einem anderen Standort für das luftige Jugendzentrum. Nach Angaben der Stadt könnte schon bald eine Lösung gefunden sein. »Wir sind in Gesprächen, die sehr aussichtsreich sind«, sagt Peter Schmüser. Der alternative Standort sei nur wenige hundert Meter von der Hebkestraße entfernt. »Unsere Aufgabe ist es zu vermitteln«, erklärt Schmüser.
»Die Jugendlichen sind sehr enttäuscht. Das sind anständige junge Leute, die sich gut benehmen«, sagt Karin Radeck. »Wir kämpfen weiter.«

Artikel vom 24.09.2009

Quelle: Lübbecker Kreiszeitung – Westfalen Blatt

Geschrieben am 28. September 2009 | Abgelegt unter Allgemein |