Im Moor regiert die Fröhlichkeit

Eine Wette um 1.000 Liter Bier führte 1994 zur Gründung des Freistaates Aspel

VON MARION MEYER

Lübbecke. Im Nettelstedter Ortsteil Aspel scheinen sich auf den ersten Blick Fuchs und Hase gute Nacht zu sagen. Nichts als weite Felder und das nahe Torfmoor. Aber der Eindruck trügt, denn hier ist mehr los als anderswo. 1994 gründeten die 56 Einwohner des beschaulichen Fleckchens in einer Bierlaune den Freistaat Aspel. Der hat nicht nur eine Regierung sondern festgeschriebene Regeln.So steht im Grundgesetz Artikel 2 des Freistaates, dass alle der Nächstenliebe und Fröhlichkeit verpflichtet sind. An letzterer mangelt es niemandem. “Dass man sich gegenseitig hilft, ist selbstverständlich. Hier besteht die Nachbarschaft aber nicht nur in der Not, sondern auch darin, gemeinsam Spaß zu haben”, betont Staatspräsident Horst Elias.

Jeweils in der letzten Augustwoche versammeln sich alle 56 Bewohner auf dem Grundstück des Staatspräsidenten. Die Scheune wird ausgeräumt, mit Girlanden geschmückt und ein großer Grill wird aufgestellt. Im Zeichen der demokratischen Verbundenheit wird nun die Fahne in den Farben Blau (Treue), Rot (Liebe) und Grün (Hoffnung) gehisst. Das Wappentier, ein Storch, hat eine besondere Bedeutung. “Seit Jahren brütet auf dem Hof Aspelmeier ein Storchenpärchen”, erklärt Elias. “Leider ziehen die immer schon gen Süden, wenn wir unser Fest feiern”.

Auch auf das Singen einer Nationalhymne müssen die Freistaatler nicht verzichten. Sobald die Fahne gehisst ist, erheben die Aspeler ihre Stimmen. Nach der Melodie des allseits bekannten Kufsteinliedes heißt es sodann: “Willst Du was erleben, geh runter zum Moor. Dort siehst du die Störche, die klappern im Chor. Dort siehst du ein Häuschen mit Schlagbaum davor. Ja, das ist der Aspel, der Freistaat im Moor”.

Damit die Regularien und die Organisation der weithin bekannten Feier reibungslos ablaufen,
hat der Staat natürlich auch eine Regierung: Innenminister Martin Kirchhoff sorgt für Ordnung, Kulturminister Siegfried Kettler hat gleich mehrere Aufgaben. Zum fünfjährigen Bestehen des Freistaates spielte er mit seiner Band “Flashback” und verblüffte die Versammelten mit einer perfekten Westernhagen-Darbietung. Auch beim Rasenmäherwettrennen 1999 überzeugte der Kulturminister und sicherte sich den Siegeskranz, der noch heute die “Staatskanzlei” schmückt, die eigentlich ein gemütliches Gartenhäuschen ist.

Gutes Team: Nicht nur beim Rasenmäher-Rennen im August 1999, das dem Aspeler Kulturminister Siegfried Kettler den Sieg einbrachte, verstehen sich die Bewohner des Nettelstedter Ortsteils. FOTOS: PRIVAT

Finanzministerin Anita Braun sorgt für die „Quote”, damit der Freistaat immer bei Kasse ist. Dieter Röthemeier übernimmt als Protokollchef die Ansprachen und hisst die Fahne. Außenminister Ralf Wellpott pflegt den guten Kontakt zu den anderen Nettelstedter Ortsteilen, mit denen zum Beispiel auch das Rasenmäherrennen ausgetragen wurde. Staatskapellmeister ist Herbert Steinmeier und der Motor des Ganzen natürlich Präsident Horst Elias. “Der hält alles in Gang”, bestätigt Kettler.
Wer jemals behauptet hat, im Torfmoor sei nichts los, der irrt sich gewaltig. Nur, die Aspeler machen keinen Staatsakt aus ihrer guten Nachbarschaft. Eine lustige Wette hin und wieder hält den fröhlichen Verbund zusammen. “Ziege Sybille war so ein Anlass. Wir brauchten keine Aschenbecher mehr. Die hat die ganze Zeit nur Kippen gefressen”, erinnerte sich Horst Elias.


Maskottchen: Präsident Horst Elias mit Ziege Sybille

Mit dem Wetten haben es die Aspeler sowieso. Um 1.000 Liter Bier wetteten 1994 zwei Aspeler im Feuerwehrhaus in Nettelstedt, ob es möglich sei, einen Freistaat zu gründen. Der Verlierer ist heute erster und einziger Ehrenbürger im Staat.

Quelle: Neue Westfälische

Geschrieben am 25. November 2000 | Abgelegt unter Freistaat Aspel |