Ideen zur Zukunft des Torfmoores

Renaturierungsprojekt läuft morgen aus / Suche nach Partnern und Sponsoren

Lübbecke. Fünf Jahre lang wurden im Großen Torfmoor Birken entfernt und Torfdämme erstellt, Kanten abgeschrägt und Oberboden abgeschoben, Wege erneuert, Infotafeln aufgestellt und Beobachtungstürme errichtet.  Durch diese Maßnahmen, finanziert mit 1,8 Millionen Euro von der EU und NRW, gelang eine weitgehend Renaturierung eines der wichtigsten Hochmoore des Landes. Nun läuft das Projekt aus. Und was kommt danach?
“Jetzt fängt die Arbeit erst an”, verkündete Brigitte Bremer, Dezernentin für Umwelt und Naturschutz bei der Detmolder Bezirksregierung, in einer Sitzung des Planungs- und Umweltschutzausschusses des Kreises in Lübbecke. Nun gelte es, die “Weichen neu zu stellen”. Am morgigen 31. Mai endet die Förderung des umfangreichen Naturschutzvorhabens. Die finanziellen Mittel sind ausgegeben, die Wiedervernässung des rund 430 Hektar großen Gebietes abgeschlossen. “Es ist die Rückkehr eines alten Bekannten”, freute sich Dr. Beatrix Wallberg, die Leiterin des Kreisumweltamtes.

Doch wenn das Torfmoor seinen jetzigen Zustand erhalten soll, bedarf es ständiger Pflege und Weiterentwicklung. Die Wiedervernässung muss kontrolliert, die Brutvogelkartierung fortgesetzt und die Schafbeweidung betreut werden. “Dazu kommt eine permanente Effizienzkontrolle”, so Susanne Belting, vom gleichnamigen Umweltplanungsbüro, die in den vergangenen Jahren gemeinsam mit den Naturschutzbund (Nabu) und anderen Organisationen das Projekt federführend geleitet hat. Weitere 50.000 Euro hat das Land Nordrhein-Westfalen inzwischen zur Verfügung gestellt, damit weitere notwendige Arbeiten bis Jahresende durchgeführt werden können. Mit dem Umweltplanungsbüro wurde zudem ein bis Ende 2008 befristeter Vertrag geschlossen. Kreis, Bezirksregierung und Nabu wollen sich auch danach weiter um das Moor kümmern. Offen sind aber die finanziellen Perspektiven. “Wir müssen neue Instrumente, neue Partner, Sponsoren und Geldquellen finden”, so Brigitte Bremer. Sie wies darauf hin, dass nach den gesetzlichen Bestimmungen der Kreis für die Betreuung des Moores zuständig sei. Aber: “Wir fühlen uns diesem Gebiet verpflichtet.”

Kreisbaudezernent Jürgen Striet hielt dem entgegen, dass das Große Torfmoor im Besitz des Landes sei. Dennoch habe sich der Kreis dort im Vergleich zu anderen Naturschutzgebieten in der Region überproportional intensiv engagiert. Im nächsten Jahre solle es Gespräche zwischen Kreis und Land über die künftige Verwaltung des Gebietes gebeten. Der Nabu hat zugesichert, auch künftig zur Verfügung zu stehen.


Bilanz: Susanne Belting (l.) erläutert Mitgliedern des Planungs- und Umweltausschusses des Kreises eine der Infotafeln, die im Verlauf der Renaturierung des Torfmoores aufgestellt wurden.

Foto: Tyler Larkin

Wasserstand 30 cm höher

Die Wiedervernässung des Großen Torfmoores wurde unter anderem durch die Entfernung von Birken auf insgesamt 55 Hektar erreicht. Auf 47 Hektar wurden Freischneidearbeiten durchgeführt und 22 km Torfdämme erstellt. Dadurch konnte der Wasserstand um durchschnittlich 30 Zentimeter – an manchen Stellen sogar um mehr als einen halben Meter – angehoben werden.

Vom Land angekauft wurden rund 15 Hektar Land. Nicht alle gewünschten Flächen konnten erworben werden. Manche Eigentümer mochten ihre Parzellen (Susanne Belting: “Vermutlich wegen der emotionalen Bindung”) nicht hergeben.

Sechs Landschaftswächter haben ein Auge auf die “naturgerechte Entwicklung des Besucherverkehrs” im Moor. Besucher aber sind ausdrücklich erwünscht. Belting: “Wer das Moor erlebt, weiß die Natur zu schätzen.”

Text: Reinhard Günnewig

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 30. Mai 2008 | Abgelegt unter Allgemein |