90 Fachleute und Naturschützertreffen sich zu überregionaler Fachtagung – Regeneration des Hochmoors -
Lübbecke. Die Bekassinen sind zurückgekehrt. Vor drei Jahren brüteten lediglich vier Paare dieser langschnäbeligen Schnepfenart im Großen Torfmoor. Mittlerweile ertönt das meckernde Geräusch, mit dem sie sich verständigen, vielschnäbelig. 27 Paare zählte der Naturschutzbund Minden-Lübbecke in diesem Jahr. Die Wiederansiedelung von Flora und Fauna war ein Thema, mit dem sich Naturschützer bei einer überregionalen Tagung in der Stadthalle beschäftigen. Gestern ging es um die Regeneration des Großen Torfmoores, heute geht’s hinein bei einer gemeinsamen Exkursion.
Gestern standen Vorträge über Moorschutz auf dem Programm. Experten aus NRW, Niedersachsen, den Niederlanden und Belgien tauschten ihre Erfahrungen im Hochmoorschutz aus. Wie wirkt sich die Wiedervernässung auf die Tier- und Pflanzenwelt aus?, war eine zentrale Frage. Moorschäfer Dirk Rösener berichtete von seinen Moorschnucken, welche die Flächen beweiden, kleine (und unerwünschte) Birken fressen. So sorgt die Schafherde im Sommerhalbjahr für freie Sicht.
Das Große Torfmoor im Mühlenkreis ist mit mehr als 500 Hektar das größte verbliebene Hochmoorgebiet in Nordrhein-Westfalen. Dort hat der Naturschutzbund Minden-Lübbecke im Jahr 2003 das LIFE-Projekt “Regeneration des Großen Torfmoores” gestartet. Projekt-Managerin ist Susanne Belting vom Planungsbüro Belting Umweltplanung.

Projektleiterin: Susanne Belting Foto: Joern Spreen-Ledebur
Für das vierjährige Projekt stehen 1,8 Millionen Euro zur Verfügung, je zur Hälfte finanziert durch die Europäische Union und das Land NRW. Das Projekt soll 2007 abgeschlossen werden.
Jetzt, nach drei Jahren, war es Zeit, Bilanz zu ziehen. “Und die fällt ausgesprochen positiv aus”, sagt Susanne Belting. Nicht nur für die Bekassine, die zu den stark gefährdeten Arten im Land zählt. Das Moor wurde großflächig wiedervernässt, um es als Lebensraum für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu entwickeln. Die mit Birken verbuschten Bereiche wurden zurückgeschnitten, um den offenen Moorcharakter wiederherzustellen, wie er diese Landschaft bereits seit Jahrtausenden geprägt hat.
“Ein wesentliches Anliegen ist es”, sagt Susanne Belting, “den Menschen mit ins Moor zu nehmen und die Natur für ihn erlebbar zu machen.” Deshalb wurde vor mehr als einem Jahr ein Moorerlebnispfad eingerichtet. Dort gibt es auch eine Matschkuhle, Torfstechen und einen Holzweg. Zwei neue Beobachtungstürme wurden aufgestellt und neue Wege geöffnet.
Möglich wurde die großzügige finanzielle Förderung über das LIFE-Programm erst mit der Meldung des Großen Torfmoores als Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiet. Damit gehört es nun zu den besonders geschützten und wertvollsten Lebensräumen in Europa.
Was nicht so geklappt hat, wie es sich Projektleiterin Susanne Belting vorgestellt hat, ist der Ankauf von privaten Flächen. 41 Hektar sollten es sein, 11 Hektar Hochmoor und Grünland sind es bisher. Aber trotzdem: “Auch wenn die Eigentümer nicht verkaufen wollen: Die meisten geben ihr Einverständnis für die notwendigen Eingriffe und sehen Abholzung und Wiedervernässung positiv.”

Flickenteppich: Auf diesem Luftbild, das vom Südrand des Großen Torfmoores aus aufgenommen wurde, sind klar abgegrenzt die mit Wasser gefüllten Polder zu erkennen. Die Wiedervernässung ist fast abgeschlossen. Nässparzelle reiht sich an Nassparzelle. Das ist so gewollt, denn nicht eine Seenlandschaft soll hier entstehen, sondern angestaute Bereiche. Der Blick zeigt in Richtung Norden. Foto: Susanne Belting
Text: Kerstin Kornfeld
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke