“Ein Highlight für Lübbecke”

Naturschutzbund plant landesweit einmaliges Infozentrum am Großen Torfmoor

Lübbecke. Vor fünf Monaten wurde die Renaturierung des Großen Torfmoores offiziell beendet. Seit 2003 flossen 1,8 Millionen Euro in das Projekt, damit das einzige Hochmoorgebiet des Landes wieder zum Lebensraum zahlloser Pflanzen- und Tierarten wurde. Welche Bedeutung das Naturschutzgebiet hat, was dort erlebt, gelernt und betrachtet werden kann, das soll künftig vor Ort fachkundig dokumentiert und präsentiert werden.
Am östlichen Rand des Gehlenbecker Freibades plant der Naturschutzbund (NABU) des Kreises den Bau eines großes Informationszentrums. Rund 500.000 Euro sollen Sponsoren und öffentliche Stiftungen bereitstellen, damit ein etwa 40 mal 10 Meter großes Holzgebäude errichtet werden kann – mit Schautafeln und Vitrinen, Büro- und Seminarraum, Solaranlage und Café. “Das könnte ein Highlight für Lübbecke werden”, schwärmt Hermann Nagel, stellvertretender NABU-Kreisvorsitzender und Leiter der Arbeitsgruppe, die sich mit der Planung des Vorhabens beschäftigt.

Nagel und seine Mitstreiter sind guten Mutes, dass bereits im nächsten Jahr das Moor-Infozentrum Wirklichkeit werden kann. Denn mit der Fläche am Amtsfreibad scheint ein unproblematischer Standort gefunden. Ursprüngliche Pläne sahen vor, das Gebäude in der Nähe des Moorschutzhofes am Westerbruchweg zu platzieren. Dann hätte der NABU-Kreisverband zwar auf eigenem Grund und Boden bauen können, aber weil der favorisierte Ort im Naturschutzgebiet liegt, versagte der Kreis seine Zustimmung.

Inzwischen hat NABU-Kreisvorsitzender Rainer Derlin auch die Vorzüge des neuen Standortes erkannt. Von dort führt ein direkter Wanderweg ins Moor, es gibt ausreichend Parkplätze und eine bessere Verkehrsanbindung. Denn das Infozentrum soll vor allem auch Besucher aus der weiteren Umgebung ansprechen. Und Schulklassen, die für praktischen Naturkundeunterricht direkt vor Ort etwa mit dem Bus anreisen.

Noch ungeklärt ist die Finanzierungsfrage. Die mindestens eine halbe Million Euro sollen zum großen Teil von Spendern aufgebracht werden. Für die Rekrutierung der Geldgeber plant der NABU eine Werbeveranstaltung in den kommenden Wochen. Eingeladen werden sollen vor allem Unternehmen der Region, von denen man sich eine tatkräftige Unterstützung des Projektes erhofft. “Schließlich wäre das Moor-Infozentrum einmalig in NRW”, sagt NABU-Kreisvorsitzender Derlin.


Einzigartig:
Das Große Torfmoor in Gehlenbeck gilt als Lebensraum besonderer Tier- und Pflanzenarten. Im Zuge der Renaturierung wurden zahlreiche Infotafeln über die Wanderwege und die Vegetation aufgestellt. Am Rand des Freibades soll nun das Infozentrum angesiedelt werden. Von dort führt ein direkter Weg ins Moor (Foto).


Motor:
Hermann Nagel (hier mit einem Kind beim Nistkastenbau) leitet die Infozentrum-Arbeitsgruppe.

Fotos: Hans-Günther Meyer

Über 100 Jahre Nabu

Der Naturschutzbund (Nabu) wurde 1899 als “Bund für Vogelschutz” (BfV) in Stuttgart gegründet. Nach dem Zweiten Weltkrieg erfolgte 1946 der Wiederaufbau, 1965 wurde aus dem BfV der “Deutsche Bund für Vogelschutz” (DBV), 1990 entstand zusammen mit den neuen Landesverbänden auf dem Gebiet der ehemaligen DDR der heutige Naturschutzbund Deutschland (Nabu). Der Nabu betreut über 5.000 Schutzgebiete und unterhält rund 100 Naturschutzzentren. Bundesweit hat die Organisation rund 450.000 Förderer und zumeist ehrenamtlich tätige Mitglieder in mehr als 1.500 Stadt- und Kreisverbänden. Sitz der Hauptverwaltung ist Berlin. Präsident ist seit 2003 Olaf Tschimpke. Der Kreisverband Minden-Lübbecke zählt rund 900 Mitglieder. Vorsitzender ist derzeit Rainer Derlin (Minden), Stellvertreter Hermann Nagel aus Lübbecke. (gü)

Text: Reunhard Günnewig

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 22. Oktober 2008 | Abgelegt unter Allgemein |