Familie Hannemann ließ sich von Kamerateam im Alltag filmen

Lübbecke-Nettelstedt. Nie wieder Ehebett! Hätte man die fünf Hunde der Hannemanns gefragt, hätten sie vom Gesundheitscheck sicherlich abgeraten. Denn dieser hatte schwere Nebenwirkungen für sie: Das vierbeinige Quintett wurde aus dem Schlafzimmer verbannt, damit Frauchen besser schlafen kann. Aber das war nur eine von vielen Veränderungen im Leben der Nettelstedter Familie, die sich für die WDR-Sendung “Der Große Gesundheitscheck” unter die Lupe nehmen und filmen ließ.
Aber der Reihe nach. Im vergangenen Jahr hatte Silke Hannemann (40) eine Anzeige in der NW entdeckt: Die Kölner Firma “Together Productions” suchte für eine Fernsehsendung im WDR eine Familie, die sich verändern wollte: sich besser ernähren, mehr Sport treiben, gesünder leben, Stress abbauen, Probleme lösen, sich einfach wohler fühlen. “Aus Jux und Dollerei” habe sie sich beworben, erzählt die Altenpflegehelferin – ohne allerdings mit ihrem Mann Uwe (48) oder ihrer Tochter Isabell (20) gesprochen zu haben.
Aber sie hatte die beiden richtig eingeschätzt: Auch der Vermögensberater und die Auszubildende im Kinderwunschzentrum Minden hatten Lust, im Fernsehen aufzutreten. “Lust auf ein Abenteuer”, sagt Isabell. Und Uwe ergänzt: “Wir haben ja nichts zu verbergen.”
Ein Casting folgte, die drei kamen in die Vorauswahl. “Alles wurde gefilmt: wie wir leben, was wir machen,wie unser Tagesablauf aussieht, was wir essen, was wir trinken” – gute und schlechte Gewohnheiten. Genommen wurden die drei Hannemanns, weil, wie Redakteur Hans Pfalz erklärt, “ihre Probleme exemplarisch sind” – und damit bestens geeignet für die Sendung. Außerdem nimmt keiner der drei ein Blatt vor den Mund: Offen und freimütig ließen sie sich vom Arzt auf Herz und Nieren prüfen, kehrten vor der Psychologin ihr Inneres nach außen.
“Ich bin ja so eine Übermutter”, sagt Silke. “Ich möchte meine Tochter nie los lassen. Aber heute könnte ich ohne Tränen in den Augen sagen: Du kannst ausziehen.”
Gedreht wurde in Nettelstedt und im Kölner Studio – an zehn Tagen insgesamt. Die Hannemanns mussten sich frei nehmen, das Fernsehteam zog von früh morgens bis spät abends bei ihnen ein, teilte ihr Leben. Es klingt ein wenig wie eine Mischung aus “Big Brother” und “Super Nanny”, wenn die Familie vom Leben vor und mit der Kamera erzählt. “Für einen Privatsender hätten wir das nicht gemacht”, sagt Silke, “aber der WDR – das ist ja alles seriös! Wir haben sehr viel gelacht und geweint!” Nach zwei Tagen hätten sie überhaupt nicht mehr gemerkt, dass sie gefilmt wurden. Isabell: “Die Leute waren unheimlich nett.”
“Meine Frau war die Hauptdarstellerin”, sagt Uwe, die 40-Jährige nickt: zu viele Tabletten, zu viele Zigaretten, zu viele Koffein-Drinks, zu viele Pfunde und zu wenig Schlaf. Ein Hypnotiseur kam, um Mutter und Tochter vom Rauchen zu befreien. Das hat allerdings nicht geklappt, inzwischen qualmen sie wieder. Aber abgenommen haben sie, treiben Sport, ernähren sich anders. Und Silke hat wieder Spaß am Job.
Auch der Ton in der Familie hat sich geändert. “Es gibt weniger Streit”, sagt Isabell. Silke und Uwe führen jetzt eine “Komplimente-Liste”: Immer, wenn sie sich etwas Liebes sagen, gibt es einen Strich. Einmal wöchentlich genießen sie ihren “Herzchen-Abend”: Dann tun die beiden nur etwas für sich als Paar: essen gehen, Kino besuchen oder Tango tanzen. Wegen Uwes stressigem Job kam die Beziehung häufig zu kurz; Silke fühlte sich einsam, wenn er mal wieder bis nachts unterwegs war.
Jetzt freuen sich alle drei auf die Sendung. Wenn “ihr” Beitrag ausgestrahlt wird, den auch sie noch nicht gesehen haben, wollen sie Freunde und Nachbarn einladen. Uwe sagt: “Die Leute werden sich sowieso den Mund zerreißen: Dann können sie es auch bei uns machen. Wir bauen eine Theke auf, grillen und gehen da ganz offensiv ran.” Das sehen auch Mutter und Tochter so: “Wir sind stolz, dass wir ins Fernsehen kommen. Wer aus unserer Gegend hat mal die Chance dazu?”

Idylle zwischen Moor und Wiehen: Uwe, Isabell und Silke Hannemann (v.l.) mit zwei ihrer fünf Hunde. Im weitläufigen Garten soll eine Grillparty laufen, wenn das WDR-Fernsehen die Sendung ausstrahlt, in der die drei die Hauptrolle spielen.
Text und Foto: Kerstin Kornfeld
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke