Die Schule bleibt im Dorf

Zwei der vier Jahrgänge in Nettelstedt sind bereits einzügig / Diskussion über Grundschulverbund

Lübbecke-Nettelstedt /-Gehlenbeck. Fast eine Million Euro hat die Stadt Lübbecke als Schulträgerin im vergangenen Jahr in die Grundschule Nettelstedt investiert, um sie für den Ganztagsbetrieb fit zu machen. Das war ein deutliches Bekenntnis zum Standort. Was allerdings nicht gesichert ist: die Selbstständigkeit der Schule. Wenn Schulleiterin Ursula Ulrich im Januar 2009 aus dem Dienst scheidet, wird ihre Stelle nicht mehr besetzt. Der Grund: Es gibt nicht mehr in allen Jahrgängen zwei Klassen. Einzügige Grundschulen brauchen einen starken Partner, um weiter existieren zu können. Das Schulgesetz von NRW sieht vor, dass Grundschulen generell zweizügig geführt werden. Falls das wegen sinkender Schülerzahlen nicht mehr möglich ist, kann ein Schulverbund die Lösung sein – in diesem Fall mit Gehlenbeck.

Am Mittwoch, 9. April, um 18.30 Uhr lädt die Stadt Lübbecke Eltern sowie interessierte Bürger in die Aula der Grundschule Nettelstedt ein, um sie über die Entwicklung des Schulstandortes zu informieren und Fragen zu beantworten. Zu Gast sind dann Heinz Kriete, Dezernent der Bezirksregierung Detmold, und Marga Bretthauer, als Schulrätin zuständig für die Grundschulen im Kreisgebiet.

“Die Unterrichtsversorgung ist an einer zweizügigen Schule besser gesichert und einfacher zu handhaben”, sagt Bretthauer. “Und das Schulamt muss im Fall der Einzügigkeit Sorge tragen, dass eine Schule vernünftig und qualifiziert geleitet wird.”

An einer einzügigen Grundschule gibt es kaum genug Lehrerinnen, um alle Fächer (auch Englisch, Musik, Sport oder Kunst) abzudecken. Da könnte im Fall Nettelstedt das Personal der Nachbar-Grundschule Gehlenbeck aushelfen. Die Schulleitung übernähme in einem Verbund Silke Gillar, die bereits für Gehlenbeck verantwortlich ist.

“Ziel der Stadt ist es auf jeden Fall, den Standort Nettelstedt zu erhalten. Das ist politisch unumstritten”, sagt Bürgermeisterin Susanne Lindemann. “Eine Grundschule gehört ins Dorf!” Der Lübbecker Rat muss am 19. Juni über einen möglichen Verbund entscheiden, die Betroffenen sollen durch die Informationsveranstaltung frühzeitig unterrichtet werden.

In Nettelstedt werden in diesem Schuljahr 133 Kinder in sechs Klassen unterrichtet. Die Jahrgänge 1 und 3 sind einzügig. In Gehlenbeck sind es 180 Schüler in acht Klassen.


Zukunft als Filiale: Die Grundschule Nettelstedt (kl. Foto) könnte von Gehlenbeck aus verwaltet werden, wenn die Schulleiterin aus dem Amt geschieden ist.

Ein Dreier und ein Doppel

Zwei Verbundschulen gibt es im Mühlenkreis. Und die liegen beide im Lübbecker Land: eine in Pr. Oldendorf und eine in Espelkamp.

Als die Leiterin der Grundschule Börninghausen, Rosmarie Blumenthal, in den Ruhestand ging, verlor die Schule ihre Eigenständigkeit. Den Prognosen nach sollte die Zahl der Einschulungen im Schuljahr 2012/13 auf 13 sinken – nicht einmal genug für eine erste Klasse. Neue (schüler-)starke Partnerin der Börninghauser wurde zum Schuljahr 2007/08 die Grundschule Pr. Oldendorf. Am 30. Mai 2007 stimmte der Pr. Oldendorfer Rat der Bildung des Grundschulverbundes unter Leitung von Heidi Freudenstein einmütig zu.

In Espelkamp gibt es sogar eine Dreier-Gemeinschaft: Die Grundschulen Benkhausen, Frotheim und Isenstedt schließen sich zum Verbund Espelkamp-Süd zusammen. Ab August soll die Schulleiterstelle neu besetzt werden.

Text Kerstin Kornfeld

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 2. April 2008 | Abgelegt unter Schule |