Eltern protestieren gegen Busfahrzeiten / MKB versprechen Verbesserung

Lübbecke-Nettelstedt. Frühaufsteher wissen, wie kostbar die Minuten am Morgen sind. Die Fahrschüler aus Nettelstedt, Gehlenbeck und Eilhausen erfahren es jeden Tag am eigenen Leib: Sie müssen eine Stunde früher aufstehen und sich mittags abhetzen, weil der Busfahrplan nicht auf den Unterrichtsbeginn in der Jahn-Realschule und im Wittekind-Gymnasium abgestimmt ist.Deshalb hat sich eine Elterninitiative gegründet: Initiativkreis ProFahrschüler Nettelstedt (IPFN) heißt sie. Sie will erreichen, dass die Kinder zur ersten Stunde nach 7 Uhr starten können und die siebte Stunde nicht hektisch oder vorzeitig verlassen müssen, wenn sie nicht erst um 16 Uhr daheim sein wollen. “Es gibt immer wieder Auseinandersetzungen mit Lehrern, wenn Schüler fünf Minuten eher gehen wollen, um den Bus noch zu erreichen”, sagt Claudia Dirschauer. “Außerdem stört der frühzeitige Aufbruch den Unterricht.” Die Folgen schildert ihr Mann Dr. Frank-Peter Dirschauer: “Die nicht optimierten Busabfahrtszeiten haben täglichen systematischen Unterrichtsausfall zur Folge.” Die Realschule hat längst auf den Fahrplan reagiert: Sie schließt die Schule eher auf, der Sozialarbeiter kümmert sich um die frühen Kinder.
Um ihren Kindern den Stress morgens und mittags zu ersparen, bringen etliche Eltern sie per Auto zur Schule – “und die Busse sind leer, obwohl die Stadt 115.000 Euro für den Schülerspezialverkehr aus Richtung Nettelstedt ausgibt”, beklagte ein Nettelstedter beim Ortsteilgespräch am Dienstagabend.
Bürgermeisterin Susanne Lindemann konnte dem Initiativkreis keine Lösung präsentieren. Besonders ärgerlich sind die Eltern, weil seit 18 Jahre nichts geschehe. “Die MKB sitzt auf einem hohen Ross”, kommentierte ein Vater. Die Mindener Kreisbahnen wickeln den Linien- und Schülerverkehr auch für Lübbecke ab. “Mit den Schülern, die zur Gesamtschule Hüllhorst fahren, klappt es viel besser”, sagte ein anderer Nettelstedter. “Bei der BVO sind die Pläne besser getaktet.”
Die Bürgermeisterin sagte, die Aufträge für den Schülerverkehr würde die Bezirksregierung vergeben. “Die gesetzlichen Auflagen sind erfüllt. Danach muss man drei Stunden Fahrtzeit am Tag in Kauf nehmen.” Allerdings findet auch Susanne Lindemann die Situation unbefriedigend. Deshalb ist am 21. Oktober ein Gespräch mit den MKB und der Bezirksregierung geplant.
Der Initiativkreis hat bereits nach Lösungen gesucht und bei einem heimischen Busunternehmen nachgefragt. Es könnten, so der Vorschlag, morgens zusätzliche Busse eingesetzt oder dem MKB die Schülerbeförderung entzogen werden. “Dabei könnte man sogar noch sparen”, haben Eltern ausgerechnet. “Wir bezahlen über die Steuern Busse, die unsere Kinder nicht benutzen”, sagt Dr. Dirschauer.
Rund 200 Fahrschüler seien betroffen, rechnet Jörg Bartel von der Stadtverwaltung Lübbecke vor. “Wir lassen keine Busse fahren.” Aber die Stadt werde dennoch weiter Druck auf die MKB machen. Die Frage sei, ob es genug Busse gäbe, die fahren könnten. Und wer sie bezahle.
MKB-Marketing-Leiter Jens Foppe zeigt sich im Gespräch mit der NW mobil: “Im Nahverkehr wird in den nächsten Monaten einiges passieren. Wir wollen unserer Kundschaft, den Schülern, keine Knüppel zwischen die Beine werfen. Deshalb sind wir an einer Verbesserung interessiert.” Allerdings sei diese nur im Rahmen des Gesamtkonzepts möglich.

Ab geht’s: Der Bus startet am Zentralen Omnibusbahnhof fünf Minuten nach Schulschluss. Wer nicht pünktlich ist, hat das Nachsehen.
Foto: Tyler Larkin
Text: Kerstin Kornfeld
Der Wecker klingelt viel zu früh
Janika (10) besucht seit diesem Schuljahr das Wittekind-Gymnasium. Sie wohnt in Nettelstedt. Wenn sie per Bus zur Schule fährt und sieben Stunden Unterricht hat, sieht ihr Tagesablauf so aus:
- 5.30 Uhr aufstehen, Frühstück, Weg zur Bushaltestelle;
- 6.38 Uhr Bus fährt ab;
- 7.45 Uhr Unterricht beginnt;
- 13.45 Uhr Schulschluss;
- 13.50 Uhr Bus nach Nettelstedt startet am ZOB.
Janika hat also lediglich fünf Minuten Zeit für den Weg vom Gymnasium zum Busbahnhof. Das ist kaum zu schaffen. Verpasst sie den Bus, kommt sie viel später zu Hause an. Dann stehen noch Hausaufgaben an, der Schultag endet gegen Abend. “Durch eine vernünftige Busverbindung wäre der Schultag um drei Stunden verkürzt”, sagen Janikas Eltern. Und Janika könnte fast eine Stunde länger schlafen. (kor)
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke