Das Torfmoor ist wieder nass

Renaturierung nach sechs Jahren abgeschlossen / Kostenpunkt: 1,8 Millionen Euro

Lübbecke/Hille. In einem der wertvollsten Lebensräume Europas ist wieder Leben eingekehrt. Das Große Torfmoor mit seiner reichen Flora und Fauna hat eine sechs Jahre währende Renaturierung hinter sich. Bis in die 60er Jahre hinein hatte der Mensch im Moor Torf abgebaut, das Gebiet damit entwässert und zahllose Tier- und Pflanzenarten ihres Lebensraumes beraubt. Seit Anfang der 70er Jahre begann das Land NRW, Moorflächen zu kaufen, um sie wieder zu verwässern.

2003 schließlich bewilligte die europäische Kommission die finanzielle Förderung einer grundlegenden Renaturierung des Moores. 1,8 Millionen Euro flossen in das Projekt, getragen je zur Hälfte vom Land NRW und der Europäischen Union.

Das Große Torfmoor, rund 550 Hektar groß und als wertvoller Lebensraum in Europa eingestuft, hat große Bedeutung für viele andere Feuchtgebiete in der Region und darüber hinaus. “Seltene Tierarten etwa können sich von hier aus weiter verbreiten”, erklärt Wolfgang Sack vom Lübbecker Kreisverband des Naturschutzbundes Deutschland (NABU), der das LIFE-Naturprojekt federführend begleitet hat. Außerdem dient das Moor als Rastplatz für Zugvögel.

Mit der Renaturierung hat der NABU aber nicht nur für Brachvogel, Kiebitz, Braunkehlchen, Torfmoos und Bekassine wieder einen ansprechenden Lebensraum geschaffen. Auch als Naherholungsgebiet gewinnt das Hochmoor nun an Bedeutung. Schon jetzt besuchen rund 100.000 Menschen jährlich das Feuchtgebiet. Im Zuge der Wiederverwässerung des Moores hat das Projektteam nun die Wanderwege her- und einen Naturerlebnispfad eingerichtet. Tafeln am Wegesrand informieren zu Flora und Fauna und zeigen die Wanderwege an.

Damit auch der Spaßfaktor nicht zu kurz kommt, gibt es nun eine Matschkuhle im Moor, in die sich Mutige barfuß begeben können. “Immer wieder ein Highlight”, sagt Moorführer Rainer Eschedor, der regelmäßig Wanderungen im Torfmoor begleitet. “Versunken ist zum Glück noch niemand, aber es kommt vor, dass wir einander mit vereinter Kraft rausziehen müssen.”

Sechs Jahre lang währte die Renaturierung des Moores. In dieser Zeit wurden 22 Kilometer Torfdämme, 17 Überlaufstaus und ein regulierbarer Stau geschaffen, damit das Regenwasser – Lebensgrundlage für ein Hochmoor – nicht abfließt. Der Pegelstand ist seither gestiegen und wird regelmäßig überwacht. Für die selten gewordenen Feuchtgebietspflanzen und -tiere wurden zehn Laichgewässer geschaffen.

Auf einer Fläche von 55 Hektar haben die Arbeiter des Baubetriebes des Kreises Birken abgeholzt, die dem Gebiet das wertvolle Nass entzogen haben. Damit die Bäume nicht nachwachsen, werden Schafe als umweltgerechte Rasenmäher eingesetzt.

Etliche Tier- und Pflanzenarten fühlen sich seither wieder heimisch im Moor. Seit 2007 beobachten Naturschützer gar ein Kranichpärchen im Torfmoor. “Wenn wir Glück haben, verzeichnen wir womöglich in Kürze das erste brütende Kranichpaar Nordrhein-Westfalens”, sagt Wolfgang Sack. “Das wäre die Krönung.


Einmaliges Naturerlebnis: Acht Kilometer Wanderwege führen durch das Feuchtgebiet. Von den Aussichtstürmen aus bietet sich ein wunderschöner Blick auf das Große Torfmoor mit seiner wieder erwachten Tier- und Pflanzenwelt.


Zu Gast: Auch Störche wissen das Kleingetier im Moor zu schätzen.


Die treibende Kraft: Susanne Belting vom gleichnamigen Umwelt-Planungsbüro.

Fotos: Tyler Larkin

Text: Alexandra Buck

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 23. April 2008 | Abgelegt unter Allgemein |