Für Ordnung und Sicherheit: Elf Schüler starten in ihre neue Aufgabe als Busbegleiter

Lübbecke. Es ist eine Aufgabe, die von Jugendlichen Zivilcourage verlangt und Selbstsicherheit. Und es ist ein Job, den nicht jeder machen möchte: Für Schulbusbegleiter sind Auseinandersetzungen mit Rabauken Alltag. Dennoch haben sich jetzt wieder elf Schüler des Wittekind-Gymnasiums und der Hauptschule bereit erklärt, für Ruhe und Ordnung in Bussen zu sorgen. Gestern war ihr erster Arbeitstag.13 Uhr, Hauptschule Lübbecke: Ein großer Pulk Schüler steht an der Bushaltestelle. Die Jugendlichen drängeln, rempeln und schubsen sich gegenseitig. Alle wollen nach vorn zur Absperrung gelangen, um die besten Plätze im Bus zu ergattern.
Doch dort steht bereits Florian Gennat. Gelassen beobachtet er das Gewimmel und versperrt seinen Mitschülern den Weg. Auf der Brust trägt er ein Kärtchen, das jedem sofort signalisiert: Florian stellt sich nicht so hin, um die anderen zu ärgern. Sondern um dafür zu sorgen, dass es beim Einsteigen ruhig und friedlich zugeht. Das Kärtchen ist sein Busbegleiter-Ausweis. Den hat er erst vor einer halben Stunde erhalten.
Bereits Ende September absolvierten Florian und zehn weitere Schüler vom Wittekind-Gymnasium und von der Hauptschule eine Schulung bei Christina Pörtner vom Verein “Up to you”. Sie bereitete die Schüler intensiv auf ihre neue Aufgabe vor. “Ich habe den Schülern Deeskalationstrategien und Streitschlichtung beigebracht und beides in Rollenspielen geübt.”
Die Aufgabe des Busbegleiters übernehmen Schüler, die ohnehin mit dem Bus zur Schule fahren, freiwillig. Der Lehrer entscheidet dann, wer sich überhaupt für diese Rolle eignet. “Dazu braucht man schon ein großes Selbstbewusstsein und Mut”, sagt Pörtner, die bereits zum fünften Mal mit Lübbecker Schülern arbeitet.
Kein Problem für Lisa Arning. Gemeinsam mit Florian Gennat hat sie ihre Feuertaufe schon hinter sich gebracht. “Auf der Strecke nach Hüllhorst kam vor kurzem ein jüngerer Schüler auf uns zu, dem jemand die Busfahrkarte weggenommen hatte.” Die zwei Busbegleiter redeten mit dem Störenfried, der den Fahrschein sofort wieder herausrückte. “Da waren wir schon stolz.”
Doch nicht nur Zivilcourage und Freundlichkeit sind die Motive der elf Schüler. Sie denken auch an ihre Zukunft. “Das Zertifikat zum Busbegleiter macht sich gut in einer Bewerbung für Lehrstellen”, sagt Nadine Berg.
Sinnvoll ist der Job des Busbegleiters allemal: Lärmpegel und Vandalismus sind stark zurückgegangen, berichten Busfahrer. Mulmig wird Carolin Kölling trotzdem, wenn sie an die vor ihr liegende Aufgabe denkt. “Aber es wird bestimmt schnell normal sein, Schüler anzusprechen und Streitigkeiten zu klären.”

Für Sicherheit im Schulbus: Christina Pörtner, Natalia Mainzer-Bak, Burkhard Brase, Elena Janzen, Liana Berg, Oberkommissar Rolf Rehburg, Anita Enns, Lisa Arning, Susanne Lindemann, Anna-Laura Biermanns, Florian Gennat, Nadine Berg, Dennis Kampeter, Kevin Rödel, Alina Bethke und Caroline Kölling (v.l.). Lisa trägt den Busbegleiter-Ausweis, Nadine hält das Zertifikat in der Hand.

Ordnungshüter: Florian Gennat passt auf an der Bushaltestelle.
Text und Fotos: Anneke Quasdorf
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke