Bulk sieht Attraktion

Experten erkunden das Große Torfmoor / Wasserstand halten

Lübbecke-Nettelstedt. Stille liegt über der Landschaft. Ab und an wird sie von Vogelstimmen unterbrochen. Und von den Stimmen einer Besuchergruppe, die auf den Pfaden und Bohlenwegen unterwegs ist -und dabei vor allem eines vor Augen hat: die Natur. Aus Sicht von Ernst-Günter Bulk vom Naturschutzbund (Nabu) ist es nicht nur ein Refugium für die Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch eine Attraktion für die ganze Stadt Lübbecke. Es – das ist das Große Torfmoor und das ist mit seinen rund 500 Hektar Fläche das größte Hochmoorgebiet in Nordrhein-Westfalen.

Mit der Regeneration auch des Großen Torfmoores haben sich am Donnerstag und am gestrigen Freitag Fachleute aus dem In- und Ausland während einer Tagung in Lübbecke befasst (die NW berichtete). Gestern stellten Bulk, Susanne Belting als Projektleiterin des Life-Projektes Regeneration des Torfmoores, und der Hiller Moorführer Rainer Eschedor den Experten das Moor und die Maßnahmen zur Wiedervernässung vor.

Der weitaus größte Teil der 420 zu vernässenden Hektar sei bereits abgearbeitet, sagte Belting. Die Tagung bezeichnet sie als einen großen Erfolg; an beiden Tagen seien viele Erfahrungen in Sachen Moor-Vernässung in Deutschland, Belgien und den Niederlanden ausgetauscht worden. Das Interesse am Großen Torfmoor sei groß, sind sich Bulk, Belting und Eschedor einig. Der Moor-Erlebnispfad werde sehr gut angenommen, hat Eschedor beobachtet. Man müsse junge Menschen für das Moor begeistern, betont Bulk. “Sie sind es, die das Projekt einmal weiterführen müssen.”

Entscheidend für die erfolgreiche Wiedervernässung des Moores sei, den Wasserstand zu halten, sagte Bulk. Im Winter werde das Wasser grundsätzlich angestaut, im Sommer nehme der Torf die Feuchtigkeit auf und in der Folge siedelten sich Pflanzen an. Während der vergangenen Jahre hat sich das Moor nach Einschätzung Bulks zu einer Heimat für eine Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten entwickelt. Viele dieser Arten stünden auf der “roten Liste” der vom Aussterben bedrohten Spezies. Das gelte beispielsweise für die Hälfte der im Moor heimischen rund 80 Vogelarten wie etwa den Wiesenpieper und die Schafstelze.

Probleme bereitet derzeit das Schwarzwild. Das übe Druck auf die Brutvögel aus, so Bulk. Der Nabu-Experte hält deshalb eine Jagd einmal im Jahr auch im Moor für sinnvoll.


Nah am Wasser: Das Moor ist mehr als eine Heimat für Fauna und Flora, sagt Ernst-Günter Bulk.

Text und Foto: Joern Spreen-Ledebur

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 30. September 2006 | Abgelegt unter Allgemein |