Bürgermeister im Kreis von „Ministern”

Freistaat Aspel” feierte fünfjähriges Bestehen einer originellen Nachbarschaftsidee

Lübbecke-Nettelstedt (hgm).
Aus einer Bierlaune heraus gründeten vor fünf Jahren 13 Familien mit 56 Einwohnern des Nettelstedter Ortsteils Aspel am Rande des Torfmoores ihren eigenen “Freistaat”. Am Samstag feierte die originelle Nachbargemeinschaft auf dem Hofgelände ihres amtierenden Präsidenten Horst Elias ein großes Geburtstagsfest.

Dabei wurde deutlich, dass die Aspe-ler sehr viel Kreativität und Liebe in die spaßige Abgrenzung ihres Ortsteils investiert haben. Und dass der ganze Ort Nettelstedt großen Anteil an dem Fest nahm und es sehr viele Geschenke zum 5. Geburtstag für die Aspeler gab, beweist, dass auch eine Schnapsidee zu einer gelungenen und sinnvollen Angelegenheit werden kann. Die Bürger des Freistaates mögen Zeremonien. Den Festakt hielt der Freistaat am Fahnenmast und dem aufgestellten Wappen ab.
Horst Elias sprach zum Volk und den Gästen: “Im Freistaat Aspel wird mit Begeisterung soziale Gemeinschaft gelebt. In den vergangenen Jahren haben sich die Einwohner bei vielen Aktionen und Treffen aus den verschiedenen Generationen alle viel besser kennen gelernt.” Elias erinnert an Zeiten, als es auf dem Aspel zwei Nachbarschaften gegeben habe. “Und heute sind wir alle eine große Gemeinschaft”, so der Präsident. Elias ging auch auf den Storch als Wappentier des Freistaates ein. Er erzählte von dem Storchennest auf dem Hof Aspelmeier. In diesem Jahr hätte dort ein Storchenpaar vier Junge groß gezogen.
Nach der Ansprache hisste die Regierung, zu der neben Elias, Anita Braun (Finanzministerin), Siegfried Kettler (Kulturminister), Martin Kirchhoff (Innenminister), Ralf Wellpott (Außenminister), Herbert Steinmeier (Staatskapellmeister) und Dieter Röthemeier (Protokollchef) gehören, die Fahne mit den Streifen Blau (für Treue), Rot (für Liebe) und Grün (für die Hoffnung).
Als die Flagge hoch oben im Wind wehte, stimmten die Aspeler Bürger gemeinsam ihre Nationalhymne nach der Melodie des Kufstein liedes an: “Willst du was erleben, geh runter zum Moor. Dort siehst du die Störche, die klappern im Chor. Dort siehst du ein Häuschen mit Schlagbaum davor. Ja das ist der Aspel, der Freistaat im Moor.”
Dann hatte das Staatsorchester seinen Auftritt. Die Musiker des Nettelstedter Posaunenchors mit Verstärkung durch das Schnathorster Blasorchester spielten eine Hymne und marschierten vor der Regierung und der Bürgerschaft voran zum Festplatz. Auf dem Hof Elias begann der inoffizielle Teil der Feier. Die Nachbarschaft hatte das Fest schon seit Donnerstag vorbereitet. Das Staatsorchester gab ein Konzert. An den Tischen in der Scheune genossen die Gäste die von den Aspeler Frauen 24 selbst gebackenen Kuchen und Torten und duftenden Kaffee.
Im Zelt gesellten sich zu Bürgermeister Steinmeyer, Ortsvorsteher Öwermann und dem einzigen Aspeler Ehrenbürger, Helmut Hucke, die Aspeler Männer, Regierende und Untertanen tranken gemeinsam “Meterweise” Bier, so dass es sehr bald sehr lustig und ausgelassen zuging.
Zur guten Stimmung trugen auch Manfred Brissi mit Liedern auf der Drehorgel, der Männergesangverein Kleinendorf mit Liedvorträgen sowie die Band “Flashback” bei. Die Kinder kamen ebenfalls auf ihre Kosten. Sie konnten sich auf einer großen Wiese austoben. Zur Verfügung standen Spielgeräte, die die Stadt ausgeliehen hatte.


Beim “Staatsakt” anlässlich des fünften Geburtstages hisste die Regierung des “Freistaates Aspel”, eine Fahne mit dem Storch als Wappentier.   Fotos: Meyer

Quelle: Neue Westfälische

Geschrieben am 30. August 1999 | Abgelegt unter Freistaat Aspel |