Rückwirkend maximal drei Monate Insolvenzgeld für Hucke-Mitarbeiter

Lübbecke. Die Mitarbeiter der Hucke AG, die am Freitag beim Amtsgericht Bielefeld Insolvenz angemeldet hat, können nach Einschätzung der Gewerkschaft darauf hoffen, dass der Großteil ihrer Löhne und Gehälter vorerst weiter gezahlt wird. Zwar gebe es das gesetzliche Insolvenzgeld erst ab dem Tag der Eröffnung des Insolvenzverfahrens und dann maximal drei Monate rückwirkend, häufig würden die bis dahin fälligen Zahlungen für die Mitarbeiter aber von einer Bank vorfinanziert, so Lutz Schäffer, Sekretär der Industriegewerkschaft Metall (IGM) in Minden. Er gehe davon aus, dass auch für die Hucke-Beschäftigten eine solche Regelung gefunden werden könne. Entsprechende Gespräche sollen heute mit dem vorläufigen Insolvenzverwalter Hans-Peter Burghardt (Herford) beginnen. Er war am Freitag vom Amtsgericht Bielefeld bestellt worden, nachdem die Hucke AG Insolvenz angemeldet hatte. Burghardt war gestern für Fragen nicht erreichbar.
Die Angst vor einem möglicherweise weitreichenden Arbeitsplatzabbau geht seit Bekanntwerden der Krise bei der Belegschaft um. Zwar hatte der beratende Anwalt Dr. Frank Kreuznacht vor der Presse erklärt, die “Sicherung von mehreren hundert Stellen” sei auch Ziel des Sanierungskonzeptes, gleichzeitig wurde angekündigt, zu rechnen sei mit einer “deutlichen Reduzierung der Arbeitsplätze” (Vorstand Gerd Eversheim). Knapp 600 Mitarbeiter zählt Hucke europaweit, etwa 300 sind es in Lübbecke.
Mit langfristigen Verlusten müssen indes auch die Aktionäre rechnen. Der Kurs des Papiers lag gestern Mittag an der Frankfurter Börse bei 76 Cent; das Jahreshoch betrug 2,85 Euro “Für die Aktionäre ist eine Insolvenz erst mal das Ende vom Lied”, so Thomas Hechtfischer von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Die DWS hatte sich – wie eine auch Vertreterin der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger – schon auf der letzten Hucke-Hauptversammlung im September vergangenen Jahres kritisch mit dem Unternehmen und Vorstand Axel Dorn auseinander gesetzt. “Erschreckend” sei, urteilte Hechtfischer (“Es sieht schlecht aus für die Aktionäre”) gestern, das viele Unternehmen der Modeindustrie wie Gerry Weber (Halle) und Ahlers (Herford) sehr erfolgreich arbeiteten: “Es gehört zur Zeit schon einiges dazu, im Bereich Bekleidung auf die Nase zu fallen.”
Betroffen von der Entwicklung bei Hucke äußerte sich auch der frühere Vorstandsvorsitzende Klaus Tegtmeier, der Ende Oktober 1999 aus dem Amt geschieden und insgesamt 33 Jahre für Hucke tätig gewesen war. “Das Ganze stimmt traurig”. Im Geschäftsjahr 1998/99 lag der Umsatz der Hucke-Gruppe noch bei knapp 800 Millionen Mark.

Abschied nach guten Jahren: Klaus Tegtmeier begann 1965 bei Hucke und trat 1999 als Vorstandsvorsitzender ab.
Im Zuge der Sanierung wollen Vorstand und unterstützende Fachanwälte auch den Verkauf seit längerem nicht mehr genutzter Immobilien forcieren. “50 bis 70 Prozent” der Objekte, so Dr. Kreuznacht, könnten möglicherweise veräußert werden. Für das Gelände an der Blase-Kreuzung wurde inzwischen wieder ein Kaufvertrag zwischen Hucke und einem norddeutschen Projektentwickler abgeschlossen. Dagegen wird für das Areal der früheren “Königsmühle” noch ein Käufer gesucht. Vor gut zwei Jahren hatte Hucke den Buchwert der beiden Immobilien mit 2,9 Millionen Euro angegeben, die erwarteten Verkaufserlöse, so Dorn damals, sollten aber “deutlich darüber liegen”.
Geprüft werden solle auch der Bedarf bislang gemieteter Häuser. So war nach NW-Informationen unter anderem der Hucke-Komplex an der Strubbergstraße an einen Fonds verkauft, später aber wieder geleast worden.

Vor schweren Aufgaben: Hucke-Vorstand Gerd Eversheim, Betriebsratvorsitzende und Aufsichtsratsmitglied Monika Vogelfänger und Hans-Peter Burghardt, vorläufiger Insolvenzverwalter (v. l).
Text und Foto: Reinhard Günnewig
Quelle: Neue Westfälische Lübbecke