»Concordia« Husen-Nettelstedt begeistert Kinder mit neuer Technik für den Schießsport

Von Andreas Kokemoor
Nettelstedt (WB). Der Schützenverein »Concordia« Husen-Nettelstedt ist zu beneiden. Er verfügt über ein Nachwuchspotenzial, von dem andere Vereine nur träumen können. Beim »Tag der offenen Tür« stellten die Grünröcke neben dem modernisierten Schießstand auch ihre starke Nachwuchsabteilung vor.

Die Technikbegeisterung von Jungen macht sich der Schützenverein »Concordia« Husen-Nettelstedt zunutze – und hat damit sprichwörtlich einen Volltreffer gelandet. Für 1300 Euro wurde ein Licht gestütztes Lasergewehr angeschafft, und seit dem stehen die Kinder des Handballerdorfes Schlange bei den Grünröcken. »Das ist ja wie ein Computerspiel«, sind Moritz Schnute, Marten Arning, Silas Schrewe und Sören Arning (von links) von dem neuen Freitzeitangebot in ihrem Dorf begeistert. Geschossen wird natürlich ohne Munition: Ein Computer zeichnet die Treffer mit dem Laserpunkt auf, die Ergebnisse werden auf einem Monitor abgelesen. Lokalteil / Foto: Andreas Kokemoor
»Unsere Bemühungen wurden belohnt«, freuen sich auf der einen Seite Vereinsvorsitzender Dirk Schnute und Jugendwart Friedrich Schrewe, sowie auf der anderen Seite 21 Nettelstedter Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren, die seit Kurzem ein »neues« traditionelles Hobby in ihrem Heimatdorf haben.
Der Schützenverein des Spieler- und Handballdorfes hatte noch vor Jahren mit großen Problemen in der Nachwuchsgewinnung zu kämpfen. Hinzu kamen neue Waffengesetze, wonach Jugendliche erst ab zwölf Jahren mit dem Luftgewehr schießen dürfen. »Wir müssen etwas tun«, waren sich die Schützen einig. Gesagt, getan. Die Probleme mit der Nachwuchsgewinnung sind seit zwei Jahren vergessen und auch die Gesetze hatten nicht nur Schattenseiten, sondern boten sogar neue Perspektiven für den gesamten Schießsport: Die Grünröcke entschieden sich zur Anschaffung eines Licht gestützten Gewehres, das ohne Munition schießt – ein so genanntes Kinder-Lasergewehr, oder Scutt-Gewehr. Wie Gerling, Schnute und Schrewe hervorheben, waren es sogar die interessierten Kinder, die den Stein ins Rollen brachten und nach Sponsoren und Spender suchten. 1 300 Euro mussten her. Es dauerte gar nicht lange, und das Geld war zusammen.

Früh übt sich, was ein Meister werden will: die Schützenjacke jedenfalls passt Moritz Schnute bereits ausgezeichnet.
Foto: Andreas Kokemoor
Das A und O an diesem Gewehr ist die technische Vorrichtung. Das Gewehr unterscheidet sich vom Äußerern fast überhaupt nicht von einem richtigen Gewehr. Geschossen wird auch auf dem selben Schießstand und auf die selben Scheiben. Der große Unterschied: »Die Ergebnisse werden an einem Monitor abgelesen. Ein Computer zeichnet diese auf«, erklärt Norbert Gerling, einer der Betreuer der Kinder. Und nicht nur die Ergebnisse selbst, sondern auch das Trefferbild sowie der gesamte Verlauf und das Halten der Waffe ist genau mitzuverfolgen. »So wird der Schießsport, wie sonst nur bei den Olympischen Spielen zu sehen, attraktiver«, vergleicht Gerling und fügt hinzu, dass auch im Seniorenbereich mehr Interesse zu erwarten ist. »Bereits als die Waffe angeschafft wurde, stieg die Zahl von Null auf zwölf Kinder«, erklärt Schrewe. »Wir waren richtig stolz, im vergangenen Jahr eine Jugendgruppe vorstellen zu können«, betont Dirk Schnute. Das Schöne sei, »dass alle Kinder bei der Stange geblieben sind.« Derzeit nehmen an der Winterrunde des Schützenkreises Lübbecke eine Nettelstedter Schüler- und eine Jugendmannschaft teil. In diesem Jahr habe man bereits acht Kinder eingekleidet. Die Zahl der Sechs- bis Zwölfjährigen, also derer, die (nur) mit dem Lichtgewehr schießen dürfen, steigt ständig. Wie Schrewe dazu erklärt, würde der Schützenkreis überlegen, in Zukunft auch organisierte Wettkämpfe für diese Zielgruppe anbieten: »Das können wir auf jeden Fall nur unterstützen.« Mit einem Schmunzeln erklären die Verantwortlichen, dass die Vorrichtung auch auf die Gewehre der »großen« Schützen montierbar ist. »So können auch wir mit modernster Technik trainieren und Munition sparen.«
Aufwändiger als der Kauf des Lichtgewehres war für »Concordia« die Modernisierung des Schießstandes. Für die Investition in die Lüftung hatte der Verein 6 500 Euro aufbringen. »Behördliche Auflagen, die mit Sicherheit noch alle Schützenvereine kriegen werden, machten es notwendig«, so Dirk Schnute. Ein Loch in der Decke oder ein Propeller reichen nicht mehr aus. »Wahrscheinlich waren wir einer der ersten Vereine, den die Kreispolizeibehörde aufgesucht hat. Wir gehen davon aus, dass viele weitere Schützenvereine ebenfalls betroffen sein werden. Selbstverständlich stehen wir diesen mit Rat zur Seite«, erklärt Schnute, der sich zwar über die hohen Kosten ärgert, aber insgesamt Verständnis für die Auflagen hat.
Auf der Internetseite des Vereins ist eine Dokumentation des Baus einzusehen.
www. concordia-husen- nettelstedt.de
Aktuelles Stichwort
Nachwuchs
Jung gegen Alt hieß es jetzt beim Schützenverein »Concordia« Husen-Nettelstedt. Teilgenommen haben zehn Jung- und 22 Altschützen. In der Einzelwertung lag Wilfried Watermann (95 Ring) vorn, gefolgt von Christian Ingwersen (94) und Thomas Hucke (92). In der Mannschaftswertung hatte die Jugendgruppe mit einem Schnitt von 82,6 Ringen die Nase vor den Altersschützen (81,5 ) vorn.
Von nichts, kommt nichts: Die Trainingsangebote für alle Jugendlichen ab zwölf Jahren sind stets dienstags von 17 bis 18 Uhr, Kinder bis zwölf Jahre trainieren donnerstags von 17 bis 19 Uhr. An den beiden Tagen vor dem Schützenfest (3. und 10. April) ist ab 17 Uhr ein Trainingsabend für das Kinderkönigsschießen (Austragung am Samstag, 14. April, 16 Uhr) vorgesehen.
Quelle: Lübbecker Kreiszeitung – Westfalen Blatt