Der nachfolgende Text wurde von Hanna Wilde und Mitarbeitern aus Nettelstedt verfasst und wurde aus dem Heft “Neue Nettelstedter Blätter” Nr. 33 entnommen.

Südansicht des Kinderheimes um 1930
Die Nettelstedter Spielgemeinde blickt in diesem Jahr auf eine fünfundsiebzigjährige Tradition des Spiels auf dem Hünenbrink zurück. Sie hat das Jubiläum festlich im Rahmen der Dorfgemeinschaft begangen und mit einer eigenen Jubiläumsschrift gewürdigt. Das ebenso alte, ehemalige Kinderheim zu Füßen des Hünenbrinks, heute Meyer-Spelbrink-Haus und diakonische Einrichtung für Behinderte des Wittekindshofes, feiert kein Jubiläum, aber unser Gedenken hat es verdient. Seine zur Zeit 43 älteren und jüngeren Bewohner sind – wie ehemals die Kinder – als Mitglieder der Kirchengemeinde und der dörflichen Vereine voll in die Dorfgemeinschaft integriert. Fünfzehn Jahre lang, von 1923 bis 1938, bildeten beide Einrichtungen als übergreifende Stiftung eine fest gefügte Einheit, verbunden
- durch die Hilfe zahlreicher Dorfbewohner beim Bau der Gebäude und Anlagen
- durch die Person des gemeinsamen Gründers, des Rektors der Nettelstedter Volksschule Karl Meyer-Spelbrink
- durch die ökonomische Einheit des nicht unbedeutenden Betriebes und
- durch einen treuen Arbeits- und Freundeskreis ehrenamtlicher oder wenig bezahlter Mitarbeiter.
Sie alle hätten ein solches Werk, wie es sich heute auf dem Hünenbrink und zu seinen Füßen darbietet, nicht schaffen können ohne die lebendige Dorfgemeinschaft Nettelstedt, in der sich Einwohner höchst unterschiedlichen Standes zu Arbeits- und Hilfsgemeinschaften für andere Menschen verbindlich verpflichtet fühlten. Diese Anderen waren anfangs TB-gefährdete Kinder aus dem Dorf und seinen Nachbarorten, später erholungsbedürftige Kinder aus ganz Westfalen. In den Jahren gemeinsamer Finanzierung wirkten Tausende von Besuchern der Heimatspiele durch ihr Eintrittsgeld mit “zum Besten der Kinder, die keine Kindheit haben”, wie es damals in Prospekten hieß. Die 1964 aus Vereinen gebildete Dorfgemeinschaft hat sich in Nettelstedt bis heute bewährt. Wie beim Bau des Kinderheimes haben viele Bewohner unentgeltlich beim Bau der Kirche (1960), des Sportlerheimes (1966-68) und des Spielerheimes auf dem Hünenbrink (1975-85) mitgearbeitet. Alljährlich richtet sie im Zusammenwirken mit den Vereinen und der Kirchengemeinde den Weihnachtsbasar für gemeinnützige Zwecke aus. Der langjährige Ortsvorsteher Helmut Öwermann gibt einen Dorfkalender heraus. Wir Alten können nur hoffen, daß diese Zeugnisse guten Gemeinsinns weiterhin wirksam bleiben.

Treppenhaus des Kinderheimes Foto: Schroeder, 1927