Geschütztes Nisten

Kinder fertigen Vogelhäuschen / Heimische Arten gefährdet

Lübbecke-Nettelstedt. Die Zeit ist längst vorüber, da die heimischen Singvögel ihre Reviere absteckten und emsig Nistmaterial sammelten. Die Jungen sind geschlüpft und flügge geworden. Jetzt schallen über den Moorschutzhof in Nettelstedt andere Klänge: Die Teilnehmer des Ferienspiele-Programms des Naturschutzbundes (Nabu) sind aktiv.Stabil sind die Vogelhäuschen, wie der Volksmund sie nennt, welche die Nachwuchs- Naturschützer in Handarbeit aus vorgeschnittenen Bausätzen zusammenschrauben, aus rau gesägtem Fichtenholz, mit abgedichtetem Dach und besonders fein geschliffenem Einflugloch. Der ideale Wohnraum für Höhlenbrüter wie Blau- und Kohlmeise, mit artspezifischen Proportionen und sicher gegen alle Arten von Feinden. Keiner der Teilnehmer zweifelt daran, dass die Nisthilfe im nächsten Jahr auch bewohnt werden wird. In Sichtweite im Garten aufgehängt, soll sie eine optimale Möglichkeit zum Kennenlernen und Beobachten der heimischen Singvogelwelt bieten.

Mit einem kurzen Abriss über Vögel im Mühlenkreis begannen die beiden Veranstaltungstage, Dienstag und Mittwoch, durchgeführt vom Naturschutzbund Minden-Lübbecke. „Mehr noch als Führungen durch das Moor trägt ein solches Angebot mit Eigenarbeitsanteil dazu bei, an einen Teil der Natur heranzuführen“, weiß Nabu-Sprecher Hermann Nagel. Darum bietet der Nabu diese zwei Programmtage zum wiederholten Mal an. „Viele Kinder sind bereits das zweite oder dritte Mal dabei, und mit der diesjährigen Nachfrage hätten wir sogar drei Tage ausrichten können,“ meint Nagel. Der Elternbeitrag von fünf Euro decke die Materialkosten. Julia Hintz findet vor allem an der Zusammenarbeit mit den übrigen Teilnehmern gefallen, die in Zweiergruppen von je einem Erwachsenen bei Bohr-, Schraub- und Sägearbeiten betreut werden – was nicht nur den Jungs zusagt. Wie Julia auch, kommen „vor allem die Älteren oft mit dem Wunsch, selbst etwas für die Vögel zu tun“, erklärt Nagel.

Vögeln Platz für den Nestbau zu schaffen, mag auf den ersten Blick überflüssig erscheinen, so der Nabu. Tatsächlich aber sei der Grund dafür, dass auch mehrere Singvögel aus der Region mittlerweile auf der roten Liste stehen, vorrangig ein Nistplatzproblem. Immer mehr nistfähige Hohlräume, wie in alten Bäumen oder Häusern zu finden, würden durch Menschenhand durch Ökonomisierung und Ordnungswahn vernichtet.

Der Nabu empfiehlt daher einige einfache Maßnahmen für Garteneigner: Laubbäume pflanzen oder erhalten, „Unordnung“, die in Wirklichkeit einen viel naturnäheren Zustand darstelle, zulassen oder durch gezielLaubhaufen und Kompost selbst herbeiführen. Drosseln beispielsweise bedürften Würmer und anderem Kleintier, sowohl Haus- als auch Feldsperling kämen nicht ohne Samen als Unkraut verschrieener Pflanzen wie Disteln und Brennnesseln aus. Alles liefere die Natur selbst – wenn man sie lasse.

Zuerst einmal freuen sich jedoch die kleinen Handwerker über die Fertigstellung der Nisthilfen Marke Eigenbau. Der nächste Frühling kann kommen, meinen sie – und mit ihm die neuen Untermieter.


Markenzeichen:
Kilian Johannes Brune hat mit einer Schablone das Nabu-Emblem aufgetragen und betrachtet kritisch die Farbqualität.


Fleißige Handwerker:
Aline Barre, Nadine Berger, Kilian Johannes Brune, Luisa Conradi, Gianna und Rena DiMeo, Luisa Haseloh, Julia Hintz, Lena Hoffmann, Tim Luca Lohmeyer, Felix Prescher, Wiebke Rudolf und Katja Wilhelmy zeigen die von ihnen gefertigten Nistkästen. Durch die Einstiegslöcher passen gerade Meisen gut.

Text und Fotos: Tom Hollander

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 30. Juli 2009 | Abgelegt unter Allgemein |