Bushäuschen soll in Eigenregie bemalt und hergerichtet werden
Von Christian Busse
Nettelstedt (WB). Die Jugendlichen in Nettelstedt bekommen ihr eigenes Bushäuschen. Weil die Jugendlichen keinen Platz haben, an dem sie sich treffen können, haben sie zusammen mit Anwohnerin Karin Radeck durchgesetzt, dass die Stadt an der Hebkestraße einen Platz einrichtet, an dem sie sich treffen können. »Ich finde euer Engagement toll und wir haben euch gerne diesen Wunsch erfüllt«, sagt Bürgermeisterin Susanne Lindemann beim Ortsteilgespräch in Nettelstedt.
Die Idee war schnell geboren: Nirgendwo konnten die jungen Leute hingehen. Nach Angaben des Ortsvorstehers Hartmut Ende wurden die jungen Leute überall vertrieben. Weder am Supermarkt noch in der Innenstadt durften sie bleiben. Daher traf sich die Gruppe an einer abgelegenen Bank in der Hebkestraße. Bis zu 20 junge Leute versammeln sich täglich um die Bank – am Wochenende auch bis in die Nacht.
Zusammen mit Karin Radeck und dem Familienbündnis haben die Jugendlichen überlegt, wie man das schnell und günstig ändern kann. Ein altes Bushaltehäuschen soll nun Abhilfe schaffen. Der Bauhof wird Anfang September an der Straße das Wartehäuschen aufstellen, das die Jugendlichen selbst gestalten können. Die notwendige Farbe wird von der Stadt zur Verfügung gestellt. Auf Initiative der Jugendlichen liefert der Bauhof zudem einige Pflastersteine, damit die jungen Erwachsenen die Umgebung mit Steinen auslegen können. »Das ist ein Experiment, bei dem es darauf ankommt, dass ihr Verantwortung übernehmt und zeigt, dass ihr euch richtig verhalten könnt. Ich zähl’ auf euch«, sagt Bürgermeisterin Susanne Lindemann. Dass nicht jeder Nettelstedter mit der Aufstellung des kleinen Jugendzentrums einverstanden ist, merkten die Jugendlichen auf der Versammlung sofort. »Und wer kümmert sich um den Jugendschutz, und wer soll den Dreck wegräumen?« fragt ein Bewohner. »Das machen die Jugendlichen schon, keine Angst, und ab und zu gucken wir auch mal nach dem Rechten«, antwortet der Nettelstedter Polizist Dirk Niemeyer. Jetzt ist nur noch zu klären, wie und ob ein Stromanschluss der Hütte möglich ist. »Wir wären auch mit Solarlampen zufrieden«, sagt einer der Jugendlichen.
An dieser Bank treffen sich die Nettelstedter Jugendlichen. Hier soll im September ein Bushäuschen aufgestellt werden: (von links, sitzend) Sina Spreen, Josephine Granzow, Benjamn Becer und Alex Kazakov, (hinten von links) Jannik Koch, Thomas Enns, Jordan Henkies, Robin Becer und Christian Janzer. Foto: BusseDie Stadt kostet das offene Jugendzentrum kaum etwas. Das Bushäuschen ist gebraucht und die Materialien wie Farbe und Steine fallen beim Bauhof ab. »Es liegt an euch, ob das Experiment funktioniert und ob das auch in anderen Ortsteilen Lübbeckes angeboten werden kann«, sagt Susanne Lindemann.
Artikel vom 28.08.2009
