Unterhaltsamer plattdeutscher Abend

Nettelstedt (js). Im Rahmen der Feierlichkeiten zum 975-jährigen Jubiläum in Nettelstedt gab es einen kurzweiligen plattdeutschen Abend auf der Freilichtbühne. Kinder der Freilichtbühne sangen Lieder auf »platt« und der plattdeutsche Klassiker von Martin Simon »Däi däatschot’n Hoahn« sorgte ebenso für die Unterhaltung der Gäste, wie einige plattdeutsche Dönekes von Willi Siebeking. Die Festwoche zum Dorfjubiläum findet vom 22. bis 31. August statt, doch bis dahin verkürzen sich die Nettelstedter das Warten mit interessanten Veranstaltungen, zu denen auch der plattdeutsche Abend gehörte.
Zahlreiche Besucher hatten sich eingefunden, als Ewald Schrewe, der als Moderator durch das abendliche Programm führte, zuerst den Posaunenchor der Kirchengemeinde auf der Bühne begrüßte. Unter der Leitung von Horst Helmig sorgte der Posaunenchor für die musikalische Unterhaltung.
Dann betrat Willi Siebeking die Bühne. Der Ortsheimatpfleger gab sich ganz als Nettelstedter Original und hatte einiges auf platt zu »vertellen«. Er erntete mit Dönekes aus seinem Leben reichlich Szenenapplaus. Und immer wieder ging es bei ihm um Prüfungen. So ließ er verlauten, dass seine resolute Mutter ihn gedrängt hatte, wenn er nicht hingeht um den Führerschein zu machen – »Denn goh ik hen.«

Nettelstedter Original Willi Siebeking
So einfach, wie dem Nettelstedter Original Willi Siebeking das Platt über die Zunge kullerte, hatte es der Nachwuchs nicht. »Se könt keen Plattdüütsch mihr kürn we wi«, kündigte Ewald Schrewe die Kinder der Freilichtbühne an. Die 13 jungen Sängerinnen und Sänger bewiesen, dass sie es doch konnten. Dabei wurden sie von Wolfgang Dehne auf dem Akkordeon begleitet.
Als Kline und Lisken kamen dann Ilse Röthemeier und Erika Schrewe auf die Bühne. Sie entdeckten bei sich viele Gemeinsamkeiten, über die sich das Publikum köstlich amüsierte. Auch Pastor Wolfgang Meyn aus Petershagen begeisterte sein Publikum mit plattdeutschen Dönekes. Anschaulich präsentierte er seine Geschichten mit Hand und Fuß. »Mein Herz schlägt für plattdeutsch«, bekannte der Großneffe von Hans Albers. Und er bedauerte, dass Platt heute nicht mehr in den Schulen gelehrt werde.

Alböbekens Wisken (Martha Budde) hat das Sagen auf dem Hof. Das wissen auch Alböbekens Mariechen (Maren Wulff), Magd Sophie (Julia Röding) und Krischan (Wolfgang Hovemeyer).Fotos: Jost Straube
Nach einer kurzen Pause und weiteren Dönekes enterten die Schauspieler ihre Bühne, um das plattdeutsche Stück »Däi däatschot’n Hoahn« aufzuführen. In dem Stück von Martin Simon ging es um einen verschwundenen Hahn. Nachdem ein Schuss gefallen war, glaubten alle, dass der Hahn erschossen worden war, doch das Tier war nicht aufzufinden. Die Tatsache, dass das Verhältnis von Alböbekens Mariechen (Maren Wulff) und Storcks Fritz (Volker Kracht) geheim bleiben musste, war der Aufklärung nicht unbedingt dienlich. Jeder hatte etwas zu verheimlichen, und so nahm das Schauspiel seinen Lauf. Doch letztendlich klärte sich alles auf, der Hahn war wieder da, und Mariechen war mit ihrem Fritz glücklich.

Von dem Verhältnis zwischen Alböbekens Mariechen
(Maren Wulff) und Storcks Fritz (Volker Kracht) darf
niemand etwas wissen.
Artikel vom 01.07.2008
Quelle: Lübbecker Kreiszeitung – Westfalen Blatt