Rekordzahl von 21 Horstpaaren im Jahr 2006 / Die Hälfte des Nachwuchses ist im Mai gestorben

Kreis Minden-Lübbecke. Zu Beginn des vergangenen Jahres sorgte die Vogelgrippe für Schlagzeilen. Doch die 50 Störche im Mühlenkreis blieben verschont. Von ihnen gab es zunächst nur gute Nachrichten: Der in den März hinein verlängerte Winter führte zu zweiwöchiger Verspätung der aus Westafrika, Marokko und Spanien zurückkehrenden Vögel. Schließlich konnte die neue Rekordzahl von 21 Horstpaaren, davon 19 brütend, vermeldet werden, so viele wie zuletzt in den 1930er Jahren.
Die seit Jahren beflogenen Horste an Weser und Bastau wurden alle besetzt. Einige neue Standorte kamen hinzu. In Hävern zogen Störche erstmals seit etwa 70 Jahren einen Jungvogel groß, der in Anspielung auf seine Position als Einzelkind und sein properes Gewicht von den Anwohnern “Hävi” genannt wurde. Nachdem sich die Störche in Nordhemmern bereits seit zwei Jahren immer wieder auf dem Nistangebot des ehemaligen Molkereischornsteins hatten blicken lassen, siedelte sich jetzt ein Paar erstmals fest an, brütete jedoch nicht. Auch in Heimsen begeisterte ein neues Storchenpaar, das zweite im Ort. In beiden Horsten ging die Brut wegen des Wetters ein – ebenso in beiden Nestern von Wasserstraße.
In Petershagen-Stadt existieren ebenfalls zwei Horste in unmittelbarer Nähe auf dem Alten Amtsgericht und dem ehemaligen Gefängnis. Wie 2005 war nur das Gefängnis-Nest besetzt, wo von vier geschlüpften Jungen schließlich zwei ausflogen. Hoffnung gab es in Wegholm (Friedewalde) und Nettelstedt, wo sich Storchenpaare aufhielten, sich paarten und Nistmaterial eintrugen, dann jedoch aufgaben.
Nachdem die Brutsaison verheißungsvoll angelaufen war, herrschte in der zweiten Maihälfte extrem kaltes, durchgehend regnerisches Wetter. Dies gefährdete besonders die ein bis zwei Wochen alte Jungstörche, die vernässten, erfroren und an Lungenentzündungen eingingen. Allein acht Bruten endeten tödlich, in zahlreichen Nestern wurde das Gelege auf ein oder zwei Junge reduziert. Mindestens 21 Jungvögel starben (die Dunkelziffer dürfte höher liegen), 22 flogen schließlich aus.
Auch “Oeynis” und “Portis” Küken überlebte nicht
Es dürfte 100 Jahre zurückliegen, dass ein Storchenpaar in Porta Westfalica brütete, zuletzt in Möllbergen. Die Begeisterung für das Storchenpaar, das sich auf der 2004 errichteten Nisthilfe am Großen Weserbogen in Costedt niederließ, war riesig. Die Störche erhielten die Namen “Oeyni” und “Porti”. Mindestens ein Junges überlebte zunächst die Kälteperiode, ging dann im Juni doch noch ein.
Die Entwicklung des hiesigen Storchenbestandes ist in den letzten Jahren erfreulich. Letztendlich entscheidet über die Zukunft der Störche jedoch der durchschnittliche Bruterfolg. Dieser liegt, für das Jahr 2006 betrachtet, etwa bei der Hälfte der für die Bestandswahrung erforderlichen Reproduktionsrate.
Es wurden neue Nisthilfen in Eldagsen (Ösper), Möllbergen (Rahlbruch) und in der Rauhen Horst (Lübbecke) errichtet.

Frühlingsgefühle: Wenn Meister Adebar und Gattin in ein paar Monaten zurückkehren, finden sie im Mühlenkreis drei neue Nistplätze, um sich fortzupflanzen.
Foto: NW-Archiv

Afrika, nein danke: Dieser Storch überwintert im Lübbecker Land. NW-Leser Gerd-Henrich Nahrwold fotografierte ihn am Heiligen Abend auf einer Wiese bei Eilhausen. Auch auf dem Nest in Gehlenbeck wurde der Wintergast schon gesehen.
Foto: Nahrwold
Text: Dr. Dr. Alfons Bense

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke