Storch ziert “Regierungswappen” / Initialzündung durch Wette / Brutpaar auf Horst am Rande des Moors eingetroffen
Von Martin Nobbe
Lübbecke-Nettelstedt (mt). Den Freistaat Bayern kennt hierzulande fast jeder, aber von einem “Freistaat Aspel”, mit dem Weißstorch als Wappentier, haben wohl nur die wenigsten gehört. Die Weißstörche brachten dem “Freistaat Aspel” die Unabhängigkeit zurück. In der Einsamkeit, am Rande des großen Torfmoores, regt sich etwas. Ein kleiner Ortsteil von Nettelstedt mit dem Namen Aspel probt seit Jahren erfolgreich die Unabhängigkeit.Auf einer Fläche von etwa einem Quadratkilometer leben hier 13 Familien (56 Personen)
in guter Nachbarschaft zusammen. Beim Klön mit Nachbarn an der einzigen Straßenkreuzung im Zentrum vom Aspel wurde der Stein ins Rollen gebracht. Als während eines Feuerwehrfestes wieder einmal das Thema “Freistaat” angesprochen wurde, hatte das einigen Spott zur Folge. Es fielen Worte wie “das schafft ihr nie”. Es wurde eine Wette um 1000 Liter Bier abgeschlossen.Danach ging alles Schlag auf Schlag. Die Nachbarn wurden zu einer Versammlung zusammengerufen, und sie wurden sich schnell einig. Damit der neue Freistaat nicht gleich zum Scheitern verurteilt war, wurde spontan eine Regierung gewählt. Die Regierung des “Freistaat Aspel”: Präsident Heinz Elias, Minister für Inneres Horst Elias, Minister für Äußeres Ralf Wellpott, Ministerin für Finanzen Anita Braun, Minister für Kultur Siegfried Kettler, Protokollchef Dieter Röthemeier.
In der Folgezeit waren schwierige Aufgaben von der Regierung zu bewältigen. Für die Freistaat-Nationalhymne wurde dem Kufsteinlied ein neuer, gemeinsamer Text verpasst.
Kurz vor der Gründung des Freistaats hatte der Weißstorch bei Bauer Aspelmeier eine neue Heimat gefunden. Den Storch als Wappentier zu integrieren, fand daher große Zustimmung. Die Freistaatflagge in den Grundfarben Blau, Rot und Grün erhielt natürlich auch den Weißstorch als Wappen. Weiter ging es um die Errichtung eines Fahnenmastes, Schlagbaum und Grenzschilder mit dem Wappen mussten aufgestellt werden. Um den Fortschritt der Aktivitäten für alle Bürgerinnen und Bürger des kleinen Freistaates transparent zu machen, wurde einmal in der Woche ein Treffen organisiert, der zu Übungszwecken mit dem regelmäßigen Singen der Nationalhymne und anderen Liedern verbunden wurde. Bei diesen Treffs wurde klar, dass es sich bei der Angelegenheit “Freistaat Aspel” nicht nur um einen Jux aus einer Bierlaune heraus handelte, sondern von den alten und jungen Bewohnern mit Begeisterung soziale Gemeinschaft gelebt wurde.
Der Festakt zur Staatsgründung 1995 wurde unter reger Anteilnahme der Bevölkerung durchgeführt. Für das Wettbier sowie Kaffee und Kuchen wurden Spenden entgegengenommen. 3000 Mark kamen zusammen. Das Geld wurde je zur Hälfte zweckgebunden dem Kindergarten und der Schule zur Verfügung gestellt.
Die Weißstörche haben inzwischen den weiten Weg in den “Freistaat Aspel” zurückgefunden. Kürzlich feierten die Störche Hochzeit. Nun hoffen die Bewohner des Freistaats wieder auf Nachwuchs wie im vergangenen Jahr. Da erblickten nämlich gleich vier Jungstörche das Licht der Welt.

Freistaat Aspel Die Regierung: Heinz Elias, Horst Elias,
Ralf Wellpott, Anita Braun Siegfried Keller und Dieter
Röthemeyer (von links) Fotos: Nobbe

Freistaat Aspeln Das Wappentier
Die Störche sind zurück
Quelle: Mindener Tageblatt