“Wie wird sich Bayern München verhalten?”

Viel Zuspruch für Fan aus Nettelstedt nach erstem Gerichtstermin wegen eines unbezahlten Trikots

Lübbecke-Nettelstedt. “Ich habe ganz viel Zuspruch erhalten, dass nicht ich, sondern Bayern München sich falsch verhalten hat”, sagt Karsten Wüllner. Wie die NW berichtete, klagt die FC Bayern München AG gegen den 24-jährigen Nettelstedter, weil er ihr 87 Euro für ein Fantrikot schuldig geblieben ist, das er nach eigener Darstellung nicht erhalten hat. “Bei mir hat sich der FC Bayern München bisher nicht gemeldet. Dabei hätte ich das eigentlich erwartet. Man kann doch über alles sprechen”, sagt Karsten Wüllner. Auch in dem Sportzentrum “Am Wiehen” in Nettelstedt, das seine Verlobte Astrid Graham betreibt, ist der Gerichtsfall ein mit großer Spannung verfolgtes Thema.

“Wie wird sich Bayern München verhalten?”, lautet die Frage, die auf den Plätzen der Indoor-Soccer-Anlage und in der Sportlergaststätte von Fußballfreunden am häufigsten gestellt wird. “Ich meine, Bayern München verliert an Image, wenn das Unternehmen seinen Fehler nicht einsieht und weiter klagt”, sagt Karim Jaouadi.

Eine Gruppen von jungen Fans verschiedener Vereine wie Borussia Dortmund, Werder Bremen, Bayern München und 1899 Hoffenheim zeigte als kleine Demonstration eine Tafel mit dem Appell “FC Bayern beweg dich!” und vielen kleinen Trikots.

“Ich glaube, dass andere Bundesligavereine einen treuen Fan wie Karsten Wüllner nicht wegen 87 Euro vor Gericht gezerrt hätten”, betont der Bayern-Fan Thomas Lenger.

“Mir ist ja Hoffenheim sowieso viel sympathischer als Bayern München”, hebt Björn Marx hervor. “Vielleicht zieht der FC Bayern die Klage ja auch zurück”, nennt Yannik Obernolte eine Möglichkeit für eine Wendung. “Am Besten wäre es natürlich, wenn Franz Beckenbauer oder Uli Hoeneß selbst für ein klärendes Gespräch nach Nettelstedt kommen würden. Dann könnten wir die Einigung gleich mit einer großen Fußballparty und einem Versöhnungs-Soccerturnier verbinden”, schlägt Nils Schulz vor.

“Mein Idol bleibt Lukas Podolski. Poldi sieht toll aus, und er wird auch bei Bayern München bleiben” meint die 13-jährige Vivian Graham.

Für sie hatte Karsten Wüllner die Trikots bestellt, von denen er das erste ihm zufolge nicht bekommen hat. Erst ein zweites im Bayern-Fan-Shop im Internet bestelltes Trikot kam bei Karsten Wüllner an. Und das hat er bezahlt.

In der mündlichen Verhandlung im Amtsgericht Lübbecke am 16. Dezember hat Richter Manfred Surmeier die Klage des Deutschen Fußball Rekordmeisters zurückgestellt und der FC Bayern München AG bis zum 15. Januar Zeit gegeben, neue Nachweise zu liefern. “Bis jetzt ist noch nichts von Bayern München eingegangen. Aber es ist ja auch noch Zeit”, so der Amtsgerichtsdirektor gegenüber der NW.

Wie Surmeier erläutert, sei auch eine Verlängerung der Frist möglich, wenn der FC Bayern München AG die Zeit nicht ausreiche. Nach den Ausführungen des Amtsgerichtsdirektor ist es wahrscheinlich, dass der vom FC Bayern München mit dem Fall beauftragte Münchener Anwalt Dr. Gerhard Riedl an einer neuen Schrift arbeitet und eine weitere mündliche Verhandlung anberaumt wird.

Es bestehe dem Gesetz nach aber auch die Möglichkeit, dass eine Angelegenheit mit einem Streitwert unter 600 Euro in ein vereinfachtes Verfahren ohne erneute mündliche Verhandlung überführt wird.

Die Familie hält zu ihm: Karsten Wüllner und Ehefrau Astrid mit ihren Kindern Chelsea (hinten l.), Vivian (hinten r.), für die bereits das Trikot gedacht war, und Joline (auf Papas Schoß).


Warten gespannt auf den Ausgang des Verfahrens: (v.l.) Thomas Lenger, Nils Schwarze, Karim Jaouadi, Tobias Röding und Björn Marx apellieren an die Münchener, ihre Klage zurückzuziehen.Text und Fotos: Hans-Günther Meyer

Quelle: Neue Westfälische Lübbecke

Geschrieben am 31. Dezember 2008 | Abgelegt unter Allgemein |